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Verhalten

"Verhalten und Verhaltensstörungen des Hundes"

Seminar mit Uni.Prof.Dr.Hermann Bubna - Littitz


ENTWICKLUNG (ONTOGENESE) DES HUNDEVERHALTENS Seite 01
Vegetative Phase: 1. bis 2. Lebenswoche
Übergangsphase. 3. Lebenswoche
Prägungsphase: 4. bis 7. Lebenswoche
Sozialisierungsphase: 8. bis 12 Lebenswoche
Rangordnungsphase (13. Bis 16. Lebenswoche)
Rudelordnungsphase (5. Bis 6. Lebensmonat)
Pubertätsphase ( 7. Lebensmonat)

VORGESCHICHTE DER VERHALTENSSTÖRUNG (ANAMNESE)

Seite 02
METHODEN DER VERHALTENSTHERAPIE Seite 03
Angeborene Lerndisposition
Erworbene Lerndisposition
Aktuelle Lerndisposition
Operante Konditionierung
Habituation, Desensibilisierung
Operante oder Instrumentelle Konditionierung
Klassische Konditionierung



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VERHALTENSSTÖRUNGEN
Einteilung der Verhaltensstörungen
Verhaltensabweichung: In der Folge wird darunter eine milde, geringgradige Verhaltensstörung verstanden
Verhaltensstörungen:
A) Symptomatische Verhaltensstörungen
Dies sind Verhaltensstörungen, die Symptom einer anderen Erkrankung sind. Das sogenannte Schlittenfahren des Hundes ist keine Verhaltensstörung per se sondern u.a. Symptom eines Wurmbefalles oder einer Analbeuteldrüsenentzündung. Das Schiefhalten des Kopfes kann Symptom einer Entzündung des Mittelohres sein, Stubenunreinheit kann Folge einer Blasenentzündung sein, besondere Geräuschempfindlichkeit kann Folge einer Entzündung des Mittelohres sein usw. Hier sei nochmals betont, dass der Verhaltenstherapie eine gründliche Untersuchung durch einen Tierarzt vorangehen soll.

B) Organpathologische Verhaltensstörungen
Sie sind durch krankhafte Prozesse im Zentralnervensystem bedingt sein: So kann ein Tumor oder ein
entzündlicher Prozess der das limbische System betrifft Ursache von Aggressivität ohne erkennbare äußere
Ursache sein (das limbische System ist eine Struktur des Gehirnes, die u.a. mit der affektiven Tönung des
Verhaltens, also mit Emotionen und Aggressivität zu tun hat). Ein schmerzhafter Prozess im Bereich der
Wirbelsäule, z.B. eine Nervenwurzelentzündung kann Ursache dafür sein, dass der Hund den Besitzer beißt,
wenn er diese Stelle beim streicheln oder Bürsten berührt. Eine nicht erkannte und übergangene Staupe
(zentralnervale Form) kann, wie aus eigener Anschauung bekannt, zu Ängstlichkeit führen. Bei Verdacht auf
organpathologische Veränderungen sollte eine eingehende neurologische Untersuchung durch einen
entsprechenden Fachtierarzt erfolgen.

C) Nicht organpathologisch bedingte Verhaltensstörungen

1.) Endogen (durch innere Ursachen) bedingte Verhaltensstörungen

a)endogen bedingte Psychosen: Sie werden vereinfacht ausgedrückt durch Entgleisungen des Gehirnstoffwechsels verursacht. Beispiele aus der Humanpsychiatrie sind die endogenen Depressionen und die Schizophrenie. Dabei versteht man unter "Depression" aber nicht einfach Traurigsein, sondern auch die eingeschränkte Teilnahme an der Umwelt. Ob Schizophrenie beim Hund vorkommt ist unklar, wird aber von manchen Autoren vermutet. Sie könnte periodisch auftretende Verhaltensveränderungen erklären.
b): Neurasthenie: Darunter versteht man eine "Nervenschwäche". Beim Hund spricht man richtiger von Wesensschwäche: Die Tiere sind psychisch wenig belastbar, sind ängstlich und reagieren oft übertrieben in Situationen die einen anderen Hund kaum zu einer Reaktion veranlassen.

2.) Exogen (durch äußere Ursachen) bedingte Verhaltensstörungen

a) Nicht psychisch bedingt: Als Außenfaktoren kommen Gifte und Klima in Frage. Durch extreme
Hitzeeinwirkung kann es u.a. zu Bewusstlosigkeit kommen. Durch verschiedene Pflanzen- und
Saatgutschutzmittel können Krämpfe und Erbrechen auftreten.
b) Psychoreaktive Verhaltensstörungen
Zu ihnen gehören Störungen ("früherworbene"), die durch falsche Umweltbedingungen während der Prägungs und Sozialisierungsphase bestanden haben. Die daraus resultierende Problematik wurde bereits oben besprochen. Störungen die auf momentane Reizsituationen zurückgeführt werden können bezeichnet man als aktualreaktiv. Dazu gehören z.B. Ersatzhandlungen und Leerlaufhandlungen: Hatte ein Rüde z.B. längere Zeit nicht Gelegenheit zum Sexualverkehr, so kann aktualreaktiv Masturbation oder das Aufreiten auf ungeeigneten Objekten auftreten. Residualreaktiv bezeichnet man eine Störung dann, wenn sie weiterbesteht, obwohl die die Verhaltensstörung auslösende Situation nicht mehr besteht. Das bekannteste Beispiel sind Bewegungsstereotypien: Hunde, die lange Zeit in Zwingern gehalten werden, entwickeln oft typische Bewegungsmuster, z.B. das Entlanglaufen entlang einer Käfiggitterwand, oder das Laufen von Achterschleifen. Verbringt man ein solches Tier in einen weitaus größeren Zwinger, so wird manchmal dieses Bewegungsmuster beibehalten, obwohl das Raumangebot durchaus andere Laufmuster zuließe. Es liegt also eine residualreaktive Bewegungsstörung, nämlich eine Stereotypie vor.
c). Technoapathien: Darunter versteht man Verhaltensstörungen, die durch die technischen Einrichtungen der Tierhaltungssysteme verursacht werden, Beim Haushund sind sie wohl von untergeordneter Bedeutung.


Aggressivität
Bei der Aggressivität werden verschiedene Formen unterschieden, die kurz aufgezählt werden:
o Rivalisierende Aggressivität
o Aggressivität unter Rüden
o Angstbedingte Aggressivität
o Schmerzbedingte Aggressivität
o Territoriale Aggressivität
o Beutefangverhaltenbedingte Aggressivität
o Antrainierte Aggressivität
o Krankheitsbedingte Aggressivität
Aggressionsauslösende Faktoren
o Prägung, Sozialisierung: Hatten die Welpen in der 4. bis 12. Lebenswoche wenig Kontakt mit Erwachsenen
und Kindern, so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die so aufgewachsenen Welpen aggressiv gegenüber
Artgenossen und Menschen sind
o Genetische Faktoren: Aus dem ursprünglichen Verwendungszweck der einzelnen Rassen, kann abgeschätzt
werden, ob die betreffende Rasse eine geringe Aggressionsschwelle hat. Terrier sind Erdhunde. Sie werden
in den Fuchs- oder Dachsbau geschickt, um den Fuchs herauszutreiben. Dafür bedarf es eines sehr
kampffreudigen und mutigen Hundes. So darf es nicht wundem, dass die Aggressivität bei diesen Rassen
ausgeprägt ist und dass sie einer intensiven Erziehung bedürfen.
o Geschlecht: Rüden sind allgemein aggressiver als Hündinnen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die
Aggressivität beim Rüden auf jeden Fall durch Kastration behebbar ist
o Erkrankungen des Gehirnes, z.B. Tumore, herzförmige Prozesse im Gehirn, die nicht zu epileptiformen
Krämpfen sondern zu anfallsweiser Aggressivität fuhren. Schmerzhafte Erkrankungen (vgl. oben) können die
Aggressionsschwelle senken. Schlechte Sehkraft kann bewirken, dass der Besitzer oder ein Familienmitglied
in der Entfernung nicht erkannt und verbellt wird.


Anamnese
Gerade bei der Aggression des Hundes gegenüber Artgenossen und/oder Menschen, soll man unbedingt versuchen herauszufinden, welche Einstellung man zur Aggressivität seines Hundes hat: Imponiert es insgeheim, dass der Hund keine Angst veränderten Hunden und auch nicht vor Menschen hat. Dies führt einerseits dazu, dass man oft nur sehr halbherzig die Aggression untersagt, insbesondere, wenn sie sich gegen andere Hunde richtet. Andererseits sind Hunde Kenner der Körpersprache des Menschen und merken sehr rasch, wenn sozusagen die Körpersprache nicht zum Kommando passt. Es wird dem Leser nicht entgangen sein, dass man bei manchen Menschen schon, ohne den Hund gesehen zu haben, abschätzen kann, welche Hunderasse der betreffende hat. Auch sollte abgeklärt werden, ob es sich um eine antrainierte Aggressivität handelt.

Aggressivität gegenüber dem Menschen Rangordnungsbezogene Aggressivität:
Der Hund betrachtet den Besitzer und dessen Familie als Rudel. Gemäß seinem natürlichen Verhalten versucht
er die höchste Stelle in der Rangordnung einzunehmen. Besonders kritisch ist die Situation, wenn der Hund in
der Sozialisierungs- und Rangordnungsphase "Narrenfreiheit" hatte. Oft tritt diese Form der Aggressivität bei
Hunden auf denen die Hundehalter weder physisch noch psychisch gewachsen sind. In dem letztgenannten Fall
wird sich kaum ein aussichtsreiches Trainingsprogramm gestalten lassen.
Bei der Erhebung der Anamnese muss man versuchen herauszubekommen, welche Stellung der Hund innerhalb
der Familie bezüglich der Rangordnung einnimmt.
Gegenüber wem ist er aggressiv?
Wie äußert sich die Aggressivität,
Seit wann (Geschlechtsreife?) tritt sie auf?
Hat sie sich stetig oder innerhalb kurzer Zeit (Gehirntumor?)entwickelt?
Tritt sie immer auf oder anfallsweise (epilepsieähnliche Form)?
Wer gibt dem Hund Futter (nur der Rangniedere gibt sein Futter her)?
Betritt der Hund als erster fremde Räume?

Aggressivität gegenüber Kindern
Ursachen:
a) Manche Hundebesitzer vernachlässigen ihren Hund, sobald sie Eltern geworden sind. Somit verbindet der
Hund die Anwesenheit des Kindes mit dem negativen Erlebnis, nicht beachtet zu werden.
b) Eine weitere Ursache kann in einer mangelhaften Prägungs- und Sozialisierungsphase liegen: Der Hund hatte während dieser Phase keinerlei Kontakt mit Kindern.
c) Der Hund hatte negative Erlebnisse mit einem Kind: Kinder behandeln Tiere oft wie Spielzeug und gehen
ohne Absicht manchmal grob mit dem Hund um.
d) Kinder, die weglaufen, schreien und womöglich hinfallen, können das Beutefangverhalten des Hundes
auslösen. Einige Unfälle mit tödlichem Ausgang sind auf diese Weise erklärbar.
ad a)
Im Sinne einer Gegenkonditionierung muss versucht werden den Reiz "Kind" mit etwas positiven zu verknüpfen: Bei Abwesenheit des Kindes sollte man den Hund wenig beachten ihn jedoch bei Anwesenheit des Kindes vermehrt Zuwendung zuteil werden lassen.
ad b)
Die Prägung und Sozialisierung ist schwer bzw. Überhaupt nicht mehr nachholbar. Man kann nur versuchen, ähnlich wie oben mit Gegenkonditionierung zu arbeiten. Zumindest sollte jedoch erreicht werden, dass der Hund gut ausgebildet wird, sodass er auf Kommando beim Besitzer bleibt und sich nicht Kindern annähert.
ade)
In diesem Fall wird die Gegenkonditionierung erfolgreicher sein als bei mangelnder Sozialisierung.
ad d)
Diese Fälle sind zwar selten, haben aber gravierende Folgen. Eine vorbeugende Maßnahme kann nur darin bestehen, dass man den Hund konsequent auf Gehorsam abrichtet. Ausgeschlossen können solche Vorfälle nicht werden. Insbesondere wenn man einen großen Hund hat, sollte man in Bereichen, in denen sich Kinder aufhalten (Spielwiesen in Parks u. dgl.), den Hund an der Leine fuhren. Dies ist auch in den meisten Ländern durch Gesetz oder Verordnung vorgeschrieben.


Angstbedingte Aggression
Sie kann durch ein einmaliges traumatisches Erlebnis bedingt sein: Ist z.B. ein Hund einmal von einem größeren Hund einer bestimmten Rasse, angegriffen und verletzt worden, so kann er in Hinkunft Angst vor Hunden dieser Rasse zeigen und diese Angst kann, wenn der Hund in seiner Fluchtmöglichkeit behindert ist, z.B. dadurch, dass er angeleint ist, in Aggression umschlagen. Aufgrund solcher Erlebnisse kann auch Angst und Angstbeißen gegenüber bestimmten Personen oder Personengruppen auftreten.
Die Training kann darin bestehen, dem Hund zu lernen, dass er vor dieser Hunderasse oder Personengruppe keine Angst haben muss:
Man sucht z.B. einen Hund der betreffenden Rasse, der besonders gutmütig ist und nähert sich diesem mit dem ängstlichen Hund vorsichtig. Dies muss mehrerer Tage erfolgen, um eine entsprechende Desensibilisierung zu bewirken.
Ein besonderer Fall von Aggressivität ist die gegenüber in der Bewegung behinderter Personen: Personen die z.B. gehbehindert sind oder große Taschen oder Säcke tragen, lösen beim Hund Angst aus, die in Aggression übergehen kann.

Territoriale Aggressivität
Einer der Gründe für die Domestikation war sicherlich das Territorialverhalten des Hundes und die damit verbundene Eigenschaft, zu melden, wenn sich fremde Menschen oder Tiere diesem Territorium nähern, und sie zu vertreiben, wenn sie das Territorium verletzen. Alles Eigenschaften, die man von einem Wachhund erwartet. Hunde sehen sehr bald einen bestimmten Raum oder Bereich als ihr Territorium an und verteidigen dieses. Ein Hund, der häufig vom Besitzer mit dem Auto mitgenommen wird, sieht dieses bald als eines seiner Territorien an und verteidigt es gegenüber Personen, die der Besitzer zum Mitfahren einlädt. Liegt ein Hund in einem Restaurant unter dem Tisch, so kann er unter Umständen auch diesen kleinen Bereich als Territorium "besetzen" und Personen, die unabsichtlich dieses Territorium verletzen, anknurren oder gar nach ihnen beißen. Garten und Wohnung werden nahezu immer als Territorium angesehen. Ein typisches Beispiel ist die Aggressivität gegenüber Postboten: Der Postbote ist jemand, der häufig in das Territorium eindringt und es oft so schnell verlässt, dass der Hund keine Gelegenheit hat seine territoriale Aggression auszuleben. Er wartet sozusagen, bis sich endlich eine Gelegenheit ergibt, den unliebsamen Eindringling zu zeigen, wer "Herr im Haus" ist. Interessanterweise sind Postboten, die diesen Dienst nur gelegentlich ausüben häufiger betroffen als solche, die dies hauptberuflich tun. Dies dürfte damit zusammenhängen, dass sich Aushilfspostboten unsicherer benehmen. Hunde als scharfe Beobachter erkennen die Unsicherheit und sehen ein "Objekt", das ohne großen Aufwand vertrieben werden kann, und dass auch wenig Gegenwehr bei einem Angriff zu erwarten ist. Somit kann die territoriale Aggressivität nicht unbedingt als Verhaltensstörung sondern auch als unerwünschtes Normalverhalten gesehen werden. Da diese territoriale Aggressivität eine Reihe von Problemen für den Besitzer mit sich bringen kann, ist sie auch oft Gegenstand einer Behandlung. Maßnahmen
Da das territoriale Verhalten bei dominanten Tieren besonders stark ausgeprägt ist, empfiehlt es sich zunächst, durch Ausbildung und Unterordnungsübungen die Rangordnung sicherzustellen. Von manchen Autoren wird empfohlen, den Hund zu bestrafen, sobald er territoriale Aggressivität zeigt. Ferner wird empfohlen, dem Hund vollkommen die Aufmerksamkeit zu entziehen, sodass Fremde die einzige Kontaktmöglichkeit darstellen. Diese Vorgangsweise wird nur selten zum Erfolg führen, da die wenigsten Hundebesitzer fähig sind, ihren Hund ein oder zwei Wochen überhaupt nicht zu beachten. Folgender Stufenplan ist zielführend:
a) Sicherung der Dominanz des Besitzers durch Abrichtung und Unterordnungsübungen.
b) Desensibilisierung des Hundes: Man sucht mit dem Hund einen Teil des Territoriums auf, den er weniger stark verteidigt. Dort wird dem Hund "sitz" befohlen und man ersucht einen befreundeten Helfer, sich dem Hund zu nähern. Solange sich der Hund ruhig verhält wird er belohnt (verbal und durch Streicheln). Sobald er unruhig wird, wird das Kommando erneuert. Dies wiederholt sich so lange, bis er das Kommando nicht mehr befolgt. Ist dies der Fall, entfernt der Besitzer den angeleinten Hund und bestraft ihn durch Nicht - Beachten. Bei dieser Vorgangsweise sollte sich der Helfer Tag für Tag dem Hund mehr nähern können.
c) Ist eine weitgehende Annäherung des Fremden ohne Zeichen von Aggression möglich, so kann man zu einer Gegenkonditionierung übergehen: Man vereinbart mit dem Helfer einen Besuchstermin. Etwa einen Halbe Stunde vor dem vereinbarten Termin, entzieht man dem Hund die Aufmerksamkeit. Sobald der Besucher anwesend ist, wird dem Hund wieder vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt. Später soll die erste Beachtung des Hundes nicht durch den Besitzer sondern durch den Besucher erfolgen. Dadurch wird erreicht, dass der anfangs negative Reiz ,3esucher" mit positiven Eindrücken verknüpft wird.

Schmerzbedingte Aggression
Der erste Schritt wird in einer eingehenden klinisch-neurologischen Untersuchung durch einen Tierarzt bestehen müssen, dem als weiterer Schritt eine entsprechende Therapie folgen muss. Oft ist aber auch nach Behebung der schmerzauslösenden Prozesse noch die aggressive Verhaltensweise bei Berühren der vormals schmerzhaften Stelle vorhanden. In diesem Fall wird eine Verhaltenstherapie angezeigt sein. Das Mittel der Wahl ist die Desensibilisierung. Der Besitzer soll den Hund zunächst durch gutes Zusprechen beruhigen, das Angreifen nur andeuten und loben, solange der Hund nicht reagiert. Das Andeuten soll nun in tatsächliches Berühren übergehen. Dies kann auch mit einer Gegenkonditionierung verknüpft werden, indem man den Hund belohnt, während man ihn berührt. Ist die Angst vor der Berührung auf eine Körperstelle lokalisiert, so kann man den Hund zunächst entfernt davon berühren und sich von Tag zu Tag näher an die ehemals schmerzempfindliche Stelle herantasten. Vor allem bei älteren Tieren und wenn der schmerzhafte Prozess lange Zeit bestanden hat, ist sehr viel Geduld seitens des Tierbesitzers erforderlich. Bei sehr verängstigten Tieren (z.B. infolge langwieriger, schmerzhafter Therapie) ist eventuell zu Beginn Der Desensibilisierung eine psychopharmakologische Angstlösung angezeigt. Die Medikation soll selbstverständlich nach erfolgreicher Desensibilisierung (und Gegenkonditionierung) wieder abgesetzt werden.

Aggressivität ohne erkennbare Ursache
In diesen Fällen ist eine Verhaltenstherapie erst dann angezeigt, wenn klinisch-neurologische Ursachen ausgeschlossen sind. Hat die Untersuchung keinerlei Hinweise auf organische Erkrankungen ergeben, so ist nochmals eingehend die Anamnese zu erheben. Man muss jetzt daran denken, dass man bei der ersten Besprechung vielleicht etwas vergessen hat oder, dass ein Vorfall stattgefunden hat, der einem verschwiegen wurde. Vielleicht ist der Hund bei Bekannten, Freunden oder in einer Tierpension gewesen und wurde dort misshandelt. Eventuell hat ein Familienmitglied oder Partner, welcher(es) den Hund nicht mag (Eifersucht?) den Hund geschlagen. Der Hund sollte jedenfalls nochmals auf alte Narben im Kopf- und Rückenbereich sorgfältig untersucht werden. Ob der Hund geschlagen wurde, kann man mit einem einfachen Test prüfen. Man nimmt einen Stock, Leine oder Hundepeitsche, holt mit der Hand zum Schlag aus und beobachtet, wie der Hund reagiert: Zeigt er Furchtreaktion oder springt gar nach der erhobenen Hand (Vorsicht!!), so kann man mit. ziemlicher Sicherheit annehmen, dass der Hund geschlagen worden war. Da unter Umständen der Partner oder ein Familienmitglied den Hund geschlagen hatte, muss man beim weiteren Gespräch mit großem Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl vorgehen. In manchen Fällen wird es vernünftig sein, diesen Verdacht für sich zu behalten und im Sinne einer Gegenkonditionierung und Desensibilisierung vorzugehen.


Aggressivität gegenüber Hunden

a) Hunde im gleichen Haushalt
Werden zwei oder mehrere Hunde gehalten so spielt sich unter diesen normalerweise eine Rangordnung ein. In der Natur des Menschen liegt es den Rangniederen zu bevorzugen. Dies entspricht aber nicht den normalen Verhältnissen in einem Rudel: Nach dem Alpha-Rüden hat der Beta-Rüde die meisten Vorzüge und so fort. Bei der Haltung von Hunden muss diese Rangordnung berücksichtigt werden. Ein grober Fehler ist es, den Rangniederen zu bevorzugen oder gar den Ranghöheren zu bestrafen, wenn er den Rangniederen z.B. von einem besonderen Leckerbissen wegtreibt. Auch keine Lösung ist es, die Hunde getrennt zu halten. Bei einem späteren Zusammenführen der Hunde oder zufälligem Zusammentreffen ist wieder das alte Problem vorhanden, vielleicht in noch krasserer Form. Schon mehrmals wurde erwähnt, dass die Nähe beim Rudelführer, also beim Menschen, starken belohnenden Charakter hat. Auch im Wolfsrudel wird ein Rangniederes Tier vom zweiten in der Rangordnung vom Alpha-Tier weggetrieben, wenn es sich dazwischen drängen will. D.h. der Hundehalter sollte, wenn er einen von seinen Hunden zu Hause lassen muss nie den Alpha-Hund zurücklassen. Die Aggressivität ist auch oft höher, wenn der Besitzer anwesend ist. Unterdrückt er den Alpha-Hund, so muss man damit rechnen, dass es bei Abwesenheit des Hundehalters zum Kampf kommt. Die Rangordnung muss auch bei der Zuwendung und Fütterung Berücksichtigung finden. Manche Hundebesitzer fragen oft "Ist der Hund nicht unglücklich, wenn er der Letzte in der Rangordnung ist?". Diese Frage kann verneint werden: Belastender und mit mehr Stress verbunden ist eine unklare Rangordnung. Ist die Rangordnung unklar und wünscht der Besitzer, dass Hund A über Hund B dominieren soll, so muss er die Rangordnung unterstützen, indem er besonders betont A als Alpha und B als Beta-Hund behandelt. In schweren Fällen kann man versuchen, beide Hunde für ca. Eine Woche pharmakologisch ruhig zu stellen. Auch die Kastration des für die Rolle des Rangniederen vorgesehenen Hundes kann zum Erfolg fuhren. Bevor man die Kastration durchführt, sollte man ihre Erfolgschancen durch eine hormonelle Kastration abklären. Kommt ein Hund neu in einen Haushalt, in dem bereits ein anderer gehalten wird, so ist zunächst der alteingesessene in der Rangordnung höher. Hat man bereits einen Hund einer kleinwüchsigen Rasse, so sollte man keineswegs einen Welpen einer großwüchsigen Rasse kaufen.

b) Unter fremden Rüden
Es gibt Rüden, die jeden anderen angreifen, egal wie groß er ist. Dies bedeutet für kleine aggressive Hunde eine laufende Gefährdung. Für den "Besitzer bedeutet es, dass er den Hund nicht oder nur selten ohne Leine laufen lassen kann und dauernd aufpassen muss, ob sich nicht ein Rüde nähert.
Maßnahmen: Hormonelle und später eventuell chirurgische Kastration, wenn die Hormontherapie einen Erfolg
mit sich brachte.
Ist der Hund nur gegen einen bestimmten anderen Rüden, oder gegen Rüden einer besonderen Rasse aggressiv,so kann man im Sinne einer Gegenkonditionierung vorgehen: Man bittet den Besitzer des "Erbfeindes" sich langsam zu nähern. Der Problemhund sitzt und wird belohnt solange er sich ruhig verhält. Ist er gegenüber allen Rüden egal welcher Art aggressiv, so muss man die Desensibilisierung mit Rüden verschiedener Rassen durchführen. Begleitend wird eine Ausbildung des Hundes, die besonderen Wert auf Unterordnung legt, sinnvoll sein.

Aggressivität aus dem Beutefangverhalten heraus
Davon können Kinder, Erwachsen (Radfahrer, Jogger) kleine Hunde und Wild betroffen sein. Typisch dafür ist, dass ohne Vorwarnung losgehetzt bzw. Gebissen wird. Es wäre ja auch nicht sinnvoll, wenn ein Hund z.B. einen Hasen vorher anknurrte oder verbellte, bevor er ihm nachjagt.
Ursachen: Im Verlauf der Domestikation werden die angeborenen Auslösemechanismen immer unspezifischer,
d.h. durch eine größere Anzahl von Reizformen auslösbar als bei der Wildform, in unserem Fall beim Wolf.
Daraus ist auch erklärbar, warum manche Hunde großen Kraftfahrzeugen hinterher jagen. Kleinkinder sind manchmal Opfer der Beuteaggression: Vor allem beim Übergang von Krabbeln zum gehen,können Hunde das Kind nur schwer einordnen. Insbesondere, wenn Kinder schreiend weglaufen, hinfallen und dann herumstrampeln, fallen sie sehr leicht in das Schema eines Beutetieres. Besonders gefährlich wird die Situation, wenn mehrere Hund gemeinsam spielen, also ein Rudel bilden und dann gemeinsam Beutefangverhalten gegenüber Kindern auslösen. Jogger und Radfahrer sind wahrscheinlich als ,Beute" attraktiv, da sie sich rasch vom Hund weg bewegen: Objekte. Die sich quer zum Hund oder sich von ihm weg bewegen lösen Beute fang verhalten aus. Beutefangverhalten ist an sich Normalverhalten. Es ist meist unerwünscht und kann abnorm gesteigert sein. Hat ein Hund einmal erfolgreich gejagt, so ist ihm das Wildem kaum abzugewöhnen.
Maßnahmen
Man wird ähnlich wie bei der Behandlung des Territorialverhaltens mit Desensibilisierung und Gegenkonditionierung vorgehen. Die Gegenkonditionierung kann hier z.B. so vorgenommen werden, dass man neben dem Hund eine mit Schottersteinen gefüllte Blechdose fallen lässt, sobald er zur Jagd ansetzt, oder ihm diese nachwirft, wobei er nicht getroffen werden muss. Gleichfalls käme auch eine lange Leine in Frage, in die man ihn hineinlaufen lässt. Der momentane starke und überraschende Ruck am Halsband hat bestrafenden Charakter. Damit der Besitzer die Notwendigkeit eines energischen Eingreifens einsieht, sollte man ihn drastisch auf die zivil- und strafrechtlichen Folgen aufmerksam machen, die aus diesem Verhalten seines Hundes erwachsen können: Verletzung von Personen, Auslösung von Unfällen (Sturz eines Radfahrers, ein Autofahrer möchte einem hinter einem anderen Fahrzeug nachjagenden Hund ausweichen und verursacht einen Unfall usw.).

Gesteigerte Erregbarkeit
Allgemein gesteigerte Erregbarkeit
Man versteht darunter eine gegenüber der statistischen Norm gesteigerte emotionale Erregbarkeit.
Prinzipiell, können wir wie beim Menschen zwei Formen unterscheiden:
Beim introvertierten Tier hat sie Furcht und Angst zur Folge.
Beim extrovertierten Tier hat sie gesteigerte Aktivität zur Folge.
Ursachen
a) genetisch
b) Jugenderfahrung z.B. Überforderung des Junghundes durch zu intensives Training . Auch Proteinmangelernährung beim Welpen wird als Ursache diskutiert.
c) gesteigerte Erregbarkeit des Muttertieres
d) Beziehungsarme Umgebung
e) Spätere ungünstige Erfahrungen (z.B. Hund wurde ausgesetzt und/oder war längere Zeit in einem Tierheim)
f) Sind Sie oder Familienmitglieder leicht aus der Fassung zu bringen oder ängstlich?
g) Inkonsequente Behandlung des Hundes
Anamnese
Bei der Erhebung der Anamnese sollte man versuchen, insbesondere über die oben genannten Punkte
Informationen zu erhalten bzw. überlegen:
Ist etwas bekannt über die Wurfgeschwister und das Muttertier?
Stammt der Hund von einem Züchter, der sehr abgeschieden wohnte?
War der Hund in die Familie des Züchters integriert?
War der Hund schweren Belastungen ausgesetzt (z.B.: Erkrankungen mit langwieriger schmerzhafter Therapie) ?
Macht man selbst einen ängstlichen oder sehr erregten Eindruck?
Geht es oft laut in ihrer Familie zu und gibt es oft lautstarke Auseinandersetzungen?
Behandeln alle Familienmitglieder den Hund in der gleichen Weise?
Maßnahmen

Ruhe verschaffen
Desensibilisierung

Das wichtigste wird sein, dem Hund zunächst Ruhe zu verschaffen. Wenn in einer Familie oder zwischen Partnern oft gestritten wird, so belastet dies oft das Tier, insbesondere wenn es noch nicht erwachsen ist. Sehr oft werden Streitigkeiten über das Tier ausgetragen: Der Hund hat etwas angestellt, sie schimpft ihn aus und er bedauert den Hund und streichelt ihn. Der Hund wird in eine Konfliktsituation gebracht: Ein- und dasselbe Verhalten wird einmal belohnt und einmal bestraft. Leicht erregbare Hundehalter reagieren oft selbst auf ein und dasselbe Verhalten unterschiedlich: Einmal wird der Hund wegen seiner Zutraulichkeit und dafür, dass er auf Schritt und Tritt folgt gelobt, das andere Mal wird er vertrieben, weil der Hundehalter sich gerade geärgert hat und ihm das Nachfolgen des Hundes "auf die Nerven geht". Häufig sind Frauen gegenüber dem Hund sehr konsequent und beschäftigen sich häufig mit ihm, falls sie nicht berufstätig sind. Der Mann kommt abends nach der Arbeit nach Hause und möchte sich jetzt beim Hund beliebt manchen und vielleicht seine Partnerin sogar etwas ärgern, indem er dem Hund jetzt alles angehen lässt: Er darf sich zu ihm auf die Couch setzen, wird vom Tisch gefuttert. Es passiert also all das, was der Hund sonst nicht darf. Abgesehen davon, dass der Hund dadurch verunsichert wird, sinkt der Mann in der Rangordnung häufig unter den Hund ab. Diese Inkonsequenz kann wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den Partnern führen, was wiederum den Hund belastet. Versetzen Sie sich in die Lage eines solchen Hundes, und Sie werden verstehen, dass solch ein Tier enormen psychischen Belastungen ausgesetzt ist.
Manche Hunde haben sogar oft mehrere Bezugspersonen und Domizile: Unter der Woche sind manche Hunde bei den Eltern, am Wochenende oder abends werden sie abgeholt und wohnen bei "ihren" berufstätigen Besitzern. Die Eltern der Hundehalter verhalten sich dem Hund gegenüber wieder anders als die Hundehalter selbst.
Mit den obigen Bemerkungen wollte ich verdeutlichen, dass in der Regel alle Personen ihr Verhalten gegenüber dem Hund überdenken und neu gestalten müssen, bevor eine Besserung des Hundeverhaltens zustande kommen kann.
Wie verschafft man dem Hund Ruhe? Ihr Hund ist momentan in einer psychisch schlechten Verfassung. Sie müssen in den nächsten Wochen darauf achten, dass es möglichst ruhig in seiner Umgebung ist, und sprechen sie in der nächsten Zeit nicht allzu laut. Sie müssen ihm auch mehr Sicherheit schaffen, indem sie ihn alle in der gleichen Art und Weise behandeln. Überlegen sie gemeinsam, was sie ihrem Hund erlauben und was nicht. Überreagiert der Hund auf eine Vielfalt von Reizen, so wird eine Desensibilisierung nicht möglich sein, da Sie Reiz für Reiz desensibilisieren müssten.
Erregbarkeit durch bestimmte Geräusche
Die Geräusche auf Tonband aufnehmen. Den Hund zum Sitzen bringen, ihn beruhigend streicheln und das Geräusch bei geringer Lautstärke
vorspielen. Sobald er Erregung zeigt, das Tonband abschalten und die Aufmerksamkeit für mindestens 15-30 Minuten entziehen. Dies mehrmals (3-4 x) am Tag durchführen.

Erregung in bestimmten Situationen

Erregung bei Besuchern
Sie äußert sich in überschwänglichen Begrüßen, Verbellen des Besuchers, aufgeregtem Herumrennen oder Angst vor dem Besucher.
Ursachen: Der Hund ordnet den Besucher entweder unter Rudelmitglied oder Eindringling ein. Je nach Veranlagung zeigt er die oben beschriebenen Reaktionen. Jede von Ihnen ist sowohl für Besucher als auch für den Gastgeber unangenehm. Sowohl bei übertriebener Begrüßung durch den Hund als auch bei Angst ist Desensibilisierung das Mittel der Wahl.

Erregung beim Autofahren
Eine gesteigerte Erregbarkeit eines Hundes stellt beim Autofahren ein Unfallrisiko dar, da das Herumspringen des Hundes im Auto den Lenker beeinträchtigen kann. Oft kann man auch Bellen, Speichern, Hecheln und Kauen an der Innenausstattung des Fahrzeuges beobachten.
Ursachen
a) Bewegung des Fahrzeuges und das Motorengeräusch (Der Hund sollte bereits in der Sozialisierungsphase im Auto mitgenommen werden).
b) Frustration: Der Hund sieht interessante Dinge (Hunde und andere Tiere), die er nicht erreichen kann.
c) Aufgrund einer klassischen Konditionierung verbindet er Auto mit Sehen von etwas Neuem und schließlich
mit Spaziergang. Bei längeren Fahrten ist die Verzögerung von Spazieren gehen zu groß und aufgrund der
steigenden Erwartungshaltung steigert sich auch gleichzeitig die Erregbarkeit.
d) Unterbricht der Hundehalter die Fahrt, sobald der Hund unruhig wird und bellt, so belohnt er dieses
Verhalten und es wird immer häufiger auftreten.
Maßnahmen:
a) Desensibilisieren: Beginnt der Hund zu Bellen, sobald sein Herr einsteigt, sollte man gemeinsam mit ihm einsteigen und ihn loben solange er sich ruhig verhält. Anschließen wird der Motor angelassen und stehen geblieben. Der Hund wird wieder gelobt, solange er sich ruhig verhält. Wenn die Intervalle des Motor- laufenlassens aufgrund der Desensibilisierung ausreichend lang geworden sind, werden kurze Autofahrten unternommen und keinesfalls wird mit dem Hund spazieren gegangen, wenn der Hund zu bellen beginnt. Im Gegenteil: Fahrt unterbrechen und warten bis sich der Hund beruhigt hat. Der Hund muss auf diese Weise lernen, dass nicht jede Autofahrt mit einem Spaziergang endet, sondern manchmal auch dort wo sie begonnen hat, nämlich in der Garage.
b) Es sei hier bemerkt, dass manche Hunde nur in bestimmten Autotypen Angstreaktionen und dies wieder nur bei bestimmten Geschwindigkeiten. Man kann vermuten, dass dies mit Vibrationen zusammenhängt die in bestimmten Geschwindigkeitsbereichen auftreten. Infraschall (das ist Schall, dessen Frequenz unter dem hörbaren Bereich liegt) kann vegetative Symptome wie Erbrechen auslösen. Auch ist daran zu denken, dass eventuell eine Ultraschallbelastung zustande kommt (Ultraschall hat eine Frequenz über 20 kHz und kann vom Menschen nicht mehr, sehr wohl aber vom Hund wahrgenommen werden). Ultraschall entsteht u.a. bei Motoren mit hoher Drehzahl und bei Klimageräten.

Erregung bei Abwesenheit des Besitzers
In Edinburgh wurden vor Einführung einer tierpsychologischen Beratungsstelle 30 % der euthanasierten Hunde eingeschläfert, da sie Gegenstände in Abwesenheit des Besitzer zerstört hatten. Dies sei vorweggenommen um die Bedeutung dieses Problems zu unterstreichen.
Die Hunde heulen, bellen, zerkratzen und zerbeißen Gegenstände und richten einerseits beträchtlichen Schaden an, andererseits kann es zu Anzeigen wegen Ruhestörung kommen.
Ursachen
Aufregung über Verlust des Rudelführers. Der Hund weiß ja nicht ob sein Besitzer wieder zurückkehrt.
Zerkratzen und Zerbeißen tritt als Übersprungshandlung auf. Unter Übersprungshandlung, versteht man, dass von einem Verhaltens- oder Funktionskreis in einen anderen "übergesprungen" wird, der mit der momentanen Situation nichts zu tun hat: Vom Suchen nach dem Rudelführer wird in den Verhaltenskreis Ruheverhalten (z.B. Graben einer Schlafgrube auf einem Ledersofa) oder Beutefangverhalten (Zerteilen eines Beutetieres am Ersatzobjekt Ledertasche) "übergesprungen".
Ist Angst damit verbunden so beobachtet man häufig Kot- und Harnabsatz bei ansonst stubenreinen Hunden. Der heimkehrende "Rudelführer" wird überschwänglich begrüßt. Diese Trennungsangst muss man von der "Zerstörungswut" abgrenzen, bei der die Komponente Angst fehlt. Der Hund zerstört in diesem Fall aus Langeweile das Mobiliar. Diese Unterscheidung ist wichtig, da das Trainingsprogramm unterschiedlich zu gestalten ist. Sie tritt längere Zeit nach dem Verlassen des Hundes auf und zwar dann, wenn die normale Ruhezeit während des Tages von 3 bis 4 Stunden überschritten wird, und ist nicht mit Angst verbunden. Der Hund schläft zunächst, erwacht auf, es ist ihm langweilig und er beginnt sich zum Missvergnügen des Besitzers mit dem Mobiliar zu beschäftigen.
Maßnahmen:
Trennungsangst: Sie tritt häufig bei Hunden auf, die zunächst nahezu ununterbrochenen Kontakt zu ihrem Besitzer hatten. Wenn der Hundehalter jetzt auf einmal den Hund für mehrere Stunden verlässt (Kino-, Theaterbesuch) so kann der Hund dies nicht einordnen. Er muss also lernen, dass der "Rudelführer wieder kommt. Dies kann man ihm folgendermaßen beibringen: Man gibt den Hund zunächst in ein getrenntes Zimmer, während man in der Wohnung ist. Beginnt er zu bellen oder jaulen, so geht man kurz in das Zimmer und gibt ihm ein Kommando ("ruhig!" oder "aus!"). Keinesfalls soll man den Hund aus dem Zimmer nehmen, sobald er bellt oder an der Türe scharrt. Ansonst belohnt man dieses Verhalten und es wird sich noch verstärken. In der nächsten Stufe verlässt man die Wohnung für kurze Zeit und dehnt diese Intervalle immer weiter aus. Man muss dabei wirklich so tun als ob man das Haus verließe. Vor der Wohnungstür stehen zu bleiben ist sinnlos, da der Hund seinen Besitzer durch die Tür am Geruch erkennt. Vor dem Gehen soll der Besitzer sich nicht überschwänglich verabschieden sondern z.B. nur sagen: "Der Hund muss warten!". Auch die Begrüßung sollte neutral erfolgen, am besten ist es, den Hund zunächst nicht zu beachten. Bei der Zerstörungswut ist es angebracht, den Hund, wenn man ihn sozusagen "in flagranti" ertappt, zu bestrafen. Da Gegenstände beschädigt werden und das Verhalten nicht gegen den Besitzer gerichtet ist, ist hier, wenn möglich eine anonyme Bestrafung angezeigt. Bei der Trennungsangst ist hingegen eine Bestrafung kontraproduktiv, da der Erregungszustand dadurch noch verschlimmert werden kann.
Angstzustände ohne erkennbare Ursache und kurze Zeit dauernd
Ursachen: Kennzeichnend ist, dass diese Angstzustände unvermutet auftreten und ebenso unvermutet verschwinden. Die Ursache ist zwar im Moment nicht erkennbar aber bei genauer Anamnese findet man meist eine Ursache. Ein Fallbeispiel soll dies erläutern.
Vorgeschichte und Maßnahmen
Es wir mir eine vier Jahre alte mittelgroße Mischlingshündin vorgestellt. Die in der Wohnung des Freundes der Besitzerin manchmal Angstzustände hat: Die Hündin verkriecht sich, zittert, hechelt und zeigt vermehrten Speichelfluss. Nach langen Überlegungen über mögliche Ursachen, frage ich den Freund der Besitzerin, welche elektrischen Haushaltsgeräte in seiner Wohnung hat, da ich als Ursache ein Aggregat vermute, das sich in bestimmten Zeitabständen selbsttätig ein- und ausschaltet. Es werden mehrerer Geräte aufgezählt, unter anderem eine ältere Gefriertruhe. Diese alten Geräte laufen oft relativ leise, die Pumpensysteme versetzen aber oft den Boden, auf dem das Gerät steht, in kaum merkbare Vibration. Die beiden Hundehalter glauben das nicht so recht. Ich gehe daher mit ihnen und dem Hund zu einem großen Tiefkühlraum, öffne die Tür, sodass das Aggregat anspringt und schließe wieder die Türe. Der Hund zeigt sofort die von der Besitzerin beschriebene Angstreaktion. Sobald der Motor des Kälteaggregates wieder abschaltet verschwindet auch die Angstreaktion der Hündin. Damit war der Beweis erbracht. Der Freund der Hundebesitzerin, ersetzte die alte Gefriertruhe durch ein neues, besonders laufruhiges Gerät und das Problem des Hundes war gelöst.
Dieses Beispiel soll zeigen, dass man bei manchen unerklärbaren Angstzuständen mit ausreichender Ausdauer und Kombinationsfähigkeit meist eine Ursache findet.

Stubenunreinheit
Gerade bei dieser Form einer Verhaltensstörung sind klinische Ursachen auszuschließen. Ohne vorhergehende eingehende klinische Untersuchung ist eine Verhaltenstherapie abzulehnen: Wird z.B. eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse oder eine Erkrankung der Nieren nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, so kann dies unter Umständen den Tod des Tieres oder zumindest eine weitere Verschlechterung des Zustandes zur Folge haben. Kann ein Krankheitsgeschehen ausgeschlossen werden, so kommen u.a. folgende Ursachen in Frage:
* Bei Jungen Hunden, die nie stubenrein waren, liegt die Ursache oft darin, dass der Besitzer den Hund nie richtig beobachtet hat, und nicht erkannte, wann der Hund versäubern wollte.
* Der Hund war in einem Tierheim und hat die Stubenreinheit verlernt.
* Wie oben besprochen kann sie auch im Rahmen der Trennungsangst auftreten.
* Harnabsetzen beim Eintreffen seines "Rudelführers", kann Folge großer freudiger Erregung sein.
Werden mehrerer Hunde, vor allem Rüden gehalten, so kann das Harnmarkieren Folge von Territorialverhalten sein oder Demonstration einer hohen Stellung in der Rangordnung des markierenden. Beobachtet man ein Hunderudel, so bemerkt man, dass rangniedere Rüden bei Anwesenheit des Alpha-Hundes das Bein beim rinieren ganz wenig hochheben. Tritt das Markieren in Anwesenheit des Besitzers auf, so ist dies ein Hinweis, ass die Rangordnung nicht stimmt.
Stubenunreinheit bei alten Hunden Maßnahmen
Sie richtet sich nach den Ursachen: Sind Welpen nicht stubenrein, so bringt man sie in einer oben offenen Kiste unter: In einer Ecke befindet sich das Lager und in der diagonal gegenüberliegenden wird Papier abgelegt. Gesunde Welpen verlassen den Liegeplatz und koten und harnen auf das Papier. Später vergrößert man die Bewegungsfreiheit, sodass der Junghund lernt, den gesamten Wohnbereich als Liegeplatz bzw. "Seine Höhle" aufzufassen. Der Hund sollte des öfteren nach draußen gebracht werden und zwar in regelmäßigen Abständen, vor allem aber nach dem Aufwachen und Fressen. Die Abstände sollten mit zunehmendem Lebensalter vergrößert werden. Jedes Koten und Hamen bei den Ausgängen sollte gelobt werden. Ist die Ursache in der mangelnden Kenntnis des Besitzers zu finden, so wird man ihn entsprechend aufklären und eventuell populärwissenschaftliche Hundebücher empfehlen.
Liegt die Ursache darin, dass der Hund die Stubenreinheit verlernt hat, so sollte man seine Bewegungsfreiheit so weit einschränken, dass er sich nur im Bereich seines Lagers bewegen kann. Von Tag zu Tag kann man dann die Bewegungsfreiheit vergrößern.
Stubenunreinheit infolge der Trennungsangst erfordert selbstverständlich die Beseitigung der Ursachen der Trennungsangst (s.o.).
Harnabsetzen infolge freudiger Erregung muss zum Ziel haben, die Erregung zu vermindern. Der Hund sollte auf keinen Fall überschwänglich begrüßt werden, sondern vielmehr nicht beachtet werden. Durch oftmaliges Weggehen und Wiederkehren in kürzeren Abständen, kann sich der Hund in Sinne einer Desensibilisierung an das Wiederkommen gewöhnen und somit weniger Erregung zeigen.
Handelt es sich um Markieren, so sollte zunächst mittels hormoneller Kastration geprüft werden, ob eine chirurgische Kastration dieses Markierverhalten beheben kann.
Ist es Folge freudiger Erregung, so sollte man die Begrüßung möglichst neutral gestalten, oder den Hund sogar beim Betreten der Wohnung nicht beachten.
Steckt ein Rangordnungsproblem dahinter, so ist die Rangordnung, wie schon mehrmals besprochen, richtig zu stellen.
Werden Hunde in höherem Lebensalter stubenunrein, so ist vor allem an klinische Ursachen und daran zu denken, dass ältere Hunde oft nicht mehr in der Lage sind, Kot und Harn entsprechend lange zurückzuhalten. Der Besitzer muss dem durch entsprechende Anpassung der Zeitpunkte des letzten Spazierganges vor bzw. des ersten nach der Nachtruhe Rechnung tragen. Gerade bei älteren Hunden können langwierige Durchfallerkrankungen zum Verlust der Stubenunreinheit fuhren: Auch wenn die Erkrankung ausgeheilt ist bleibt manchmal die Stubenunreinheit bestehen. Es liegt also ein Verlernen der Stubenunreinheit vor und demnach ist, wie bereits oben beschrieben, vorzugehen.

Störungen im Futteraufnahmeverhalten
Normalverhalten
Hunde werden zwar als Fleischfresser bezeichnet, sind aber keinesfalls nur mit Fleisch zu futtern. Wenn ein Wolf oder Hund ein Tier jagt so frisst er nicht nur die Muskulatur, also das Fleisch, des Beutetieres sondern auch die Eingeweide, die beispielsweise bei einem Feldhasen ausschließlich pflanzliche Bestandteile enthalten. Eine Eigenart der Wölfe und Hunde ist es, Nahrung zu verstecken: Knochen oder kleinere Beutetiere werden vergraben. Dieses Verhalten ist angeboren und setzt meist dann ein, wenn das Tier bereits gesättigt ist. Hat man zwei oder mehrere Hunde so kommt man zu dem Eindruck, dass manchmal etwas vor den anderen Hunden versteckt wird, um es bei günstiger Gelegenheit allein verzehren zu können. Diese Verhalten kann auch in Wohnungen beobachtet werden: Manche Hunde schieben ihren Leckerbissen mit der Schnauze unter einen Teppich und fuhren davor Grabbewegungen aus.
Einem Wolfsrudel kann es durchaus passieren, dass es mehrere Tage hindurch keine Beute macht. (D.h. rein physiologisch stellt es kein Problem dar, wenn ein Hund bei ausreichendem Wasserangebot zwei drei Tage lang kein Futter bekommt.) Hat er dann wieder einmal erfolgreich gejagt, so kann er Nahrung in der Menge aufnehmen, die einem Fünftel seines Körpergewichtes entspricht. Ist das Nahrungsangebot bei Welpen ausreichend, so kommt es kaum zu Auseinandersetzungen. Ist die nicht der Fall so kann es durchaus zu Rangstreitigkeiten kommen.

Appetitlosigkeit (Anorexie)
Allzu häufig beklagen sich Hundebesitzer, dass ihr Hund zu wenig Futter aufnimmt. Man sollte sich hier aber weniger auf die Aussage des Besitzers verlassen als auf die eigene Beurteilung des Ernährungszustandes: Oft werden Hunde beim Tierarzt vorgestellt, die angeblich nichts fressen aber einen ausgezeichneten Ernährungszustand aufweisen; sie nehmen sozusagen von Tag zu Tag zu, obwohl sie überhaupt nichts fressen.
Man sollte in diesen Fällen genau überlegen, was dem Hund an Leckerbissen zur Verfügung steht (geräucherte Schweineohren, Sehnen, Markies, Schmackos, Dog sticks usw.). Ist der Ernährungszustand des Hundes tatsächlich schlecht, so ist abzuklären, ob nicht eine klinische Erkrankung vorliegt: Veränderungen der Zähne, Durchfallerkrankungen, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, Verlust oder Störung des Geruchssinnes usw. Ist der Hund klinisch gesund, so ist festzustellen, seit wann die Anorexie besteht und ob sie mit einem bestimmten Ereignis verknüpft werden kann.
Ursachen
Neben den beispielhaft erwähnten klinischen Ursachen kommen auch depressionsähnliche zustände in Betracht:
Der Hund wird weniger beachtet als sonst, ein Familienmitglied, das für den Hund Spielkamerad war ist ausgezogen oder ein zweiter im gleichen Haushalt gehaltener Hund ist verstorben. Seit der Hund nichts frisst, wird er besonders beachtet und vielleicht von der Hand gefüttert. In diesem Fall ist an Aufmerksamkeits forderndes Verhalten zu denken.
Maßnahmen
Ist der Ernährungszustand des Hundes bedenklich so wird man, um eine möglichst rasche Besserung des Zustandes zu erreichen, Medikamente einsetzen. Es kommen hier vor allem Corticosteroide (Hormone der Nebennierenrinde). Ist der Ernährungszustand noch gut, so kann man mit der Medikation noch zuwarten und dem Hund nur zu bestimmten Tageszeiten Futter anbieten. Keinesfalls sollten immer gefüllte Futterschüsseln herumstehen, da dies auch die Kontrolle der Futteraufnahme erschwert. Eventuell sollte man das Futter wechseln.

Abneigung gegenüber bestimmten Futtermitteln
Ursachen:
Der Hund hat ein bestimmtes Futter aufgenommen und kurz darauf musste er erbrechen. Dieses Erbrechen kann durch das vielleicht verdorbene Futter selbst ausgelöst worden sein oder aber durch ein Medikament, das dem Hund vor der Fütterung gegeben wurde und vom Hund nicht vertragen wurde. Der Hund assoziiert also Erbrechen mit dem gegenständlichen Futter, obwohl dieses selbst nicht Erbrechen auslöst. Diese Assoziation wird umso leichter zustande kommen, desto weniger dem Tier dieses Futter vertraut ist.
Maßnahmen:
An sich nicht notwendig, da auf andere Futtermittel ausgewichen werden kann. Ist man jedoch auf das Futtermittel z.B. aus diätetischen Überlegungen angewiesen, so kann man versuchen es durch Geschmacksstoffe und in seiner Konsistenz so zu verändern, dass es vom Hund nicht mehr als das ursprüngliche Futter erkannt wird.

Kotfressen (Koprophagie)
Ob es sich dabei um Normalverhalten oder um eine Verhaltensstörung handelt, ist zunächst von geringer Bedeutung. Das wesentliche ist, dass es für den Besitzer abstoßend und widerlich ist, wenn sein Hund Kot frisst. Manche Hunde fressen den Kot von Katzen, die im gleichen Haushalt leben, oder ihren eigenen. Das Mittel der Wahl ist eine Gegenkonditionierung: Z.B. kann man den Kot mit Pfeffer vermischen oder anderen scharf schmeckenden Gewürzen. Damit wird Kotfressen mit dem unangenehmen Brennen der Mundhöhle assoziiert.

Aufnehmen von Steinen und anderen Gegenständen
Insbesondere beim Herumkauen an Gegenständen ist an schmerzhafte Prozesse im Bereich des Gebisses zu denken: Aus eigener Erfahrung weiß der Leser, dass man manchmal bei Zahnschmerz eine kurze Linderung des Schmerzes durch Beißen auf einen Gegenstand erfährt. Ferner ist an aufmerksamkeitsforderndes Verhalten zu denken.
Beim Training kann man ähnlich wie bei der des Kotfressens vorgehen: Präparieren der Gegenstände mit scharf schmeckenden Substanzen (anonyme Bestrafung).

Fettsucht (Adipositas)
Sind klinische Ursachen ausgeschlossen (z.B. Unterfunktion der Schilddrüse), so sollte man selbstkritisch die Fütterungsgewohnheiten überlegen: Wie viel Futter bekommt der Hund (inklusive diverser Leckerbissen). Vor allem bei Trockenfutter wird die Menge unterschätzt: Fleisch enthält bis zu 80 % Wasser. Demnach muss man das Gewicht des Trockenfutters mit einem Faktor von 5 multiplizieren!!
Aufmerksamkeitsforderndes Verhalten
Sehr oft handelt es sich dabei um ein durch den Besitzer antrainiertes Verhalten, im Sinne der Operanten oder instrumentellen Konditionierung. Es wurde bereits oben bei der Besprechung der Anorexie erwähnt: Dadurch dass der Hund kein Futter aufnimmt, wendet sich ihm der Besitzer vermehrt zu. Vielleicht versucht er sogar, den Hund mit der Hand zu futtern. Das Nicht-Fressen wird also durch Aufmerksamkeit und vermehrte Zuwendung belohnt. uch die Angstreaktion wird häufig unfreiwillig konditioniert: Der Hund zeigt Angst bei Gewitter. Sie wenden sich ihm zu, streicheln ihn, sprechen beruhigend auf ihn ein, legen t ihn neben sich auf die Couch oder nehmen ihn zu sich ins Bett. Von mal zu mal wird der Hund mehr Angst zeigen, da die Angstreaktion immer belohnt wird. Insbesondere Vertreter kleiner Hunderassen werden vom Besitzer hochgenommen, sobald sich ein größerer fremder Hund nähert. Ursache ist meist folgende. Kleine Rüden gebärden sich oft aufgrund mangelnder Sozialisierung aggressiv gegenüber fremden Rüden. Sobald sie bellen, nimmt ihn der Besitzer hoch. Aus seiner sicheren Position heraus kann er den fremden Hund verbellen. Der Hund lernt also folgenden Zusammenhang: Wenn ich belle, werde ich hochgehoben, kann den anderen verbellen und sehe Dinge, die ich vom Boden aus nicht sehe. In Summe nur Positives. Der Hund wird sich also immer aggressiver geben und noch intensiver bellen, da er dafür jedes Mal belohnt wird.
Manche Hunde simulieren Verletzungen: Hat ein Hund an einer Pfote eine Verletzung, deretwegen er einen Verband oder Gips tragen musste, so zeigt er manchmal auch nach Abnahme des Verbandes bzw. Gipses einen humpelnden Gang aufgrund folgenden Lernvorganges: Während der Hund den Verband trug, zeigte der Besitzer ihm gegenüber vermehrte Aufmerksamkeit. Humpeln wurde also belohnt. Humpeln ist also für den Hund zu einer Verhaltensweise geworden, die ihm vermehrte Aufmerksamkeit verschafft. Oft verrät sich der Simulant dadurch, dass er die Seite verwechselt, also mit der "falschen" Extremität humpelt. Meinem eigenen Hund wurde in einem Kaufhaus in einer Tür die Pfote eingeklemmt. Als er laut aufquietschte, wandte ich mich ihm zu und streichelte ihn besorgt. Am nächsten Tag schimpfte ich ihn aus: Er schaute mich an und hob die Pfote, die am Vortag eingeklemmt worden war.
das Training besteht selbstverständlich in einem Vorenthalten der Belohnung, nämlich der Zuwendung. In manchen Fällen, z.B. beim oben erwähnten exzessiven Bellen kleiner Hunde, wird auch eine Gegenkonditionierung angezeigt sein, indem man das Bellen durch ein energisches "Aus" bestraft.

WEITERFÜHRENDE LITERATUR:
BRUNNER, F.: Der unverstandene Hund. Naturbuchverlag, Augsburg 1994

HART, B.L. und HART, L.A.: Verhaltenstherapie bei Hund und Katze. F. Enke Verlag, Stuttgart 1991

O'FARRELL, V.: Verhaltensstörungen beim Hund. M. & H. Scharper Verlag, Alfeld 1991

MUGFORD, R.: Hunde auf der Couch. Kynos Verlag, Mürlenbach 1991

TRUMLER, E.: Mit dem Hund auf du. Piper & Co Verlag, München/Zürich 1986

TRUMLER, E.: Hunde ernst genommen. Piper & Co Verlag, München/Zürich 1987

ZIMEN, E.: Der Hund. Goldmann Verlag, München 1992


"Verhalten und Verhaltensstörungen des Hundes"

Seminar mit Uni.Prof.Dr.Hermann Bubna - Littitz

ENTWICKLUNG (ONTOGENESE) DES HUNDEVERHALTENS


Vegetative Phase: 1. bis 2. Lebenswoche
Die Welpen werden blind geboren und der Geruchssinn ist noch schlecht ausgebildet. Die Zitze der Hündin löst bei den Welpen Lecksaugen aus. Die Jungen schreien, wenn sie von der Zitze verdrängt werden. Sie zeigen noch kein Bedürfnis nach Sozialkontakt. Eine für diese Phase typische Verhaltensweise ist das sogenannte "Kreiskriechen": Die Welpen bewegen sich nie geradlinig sondern beschreiben Kreisbögen oder Kreise: Dadurch wird verhindert, dass sie sich zu weit vom Lager entfernen. Das Öffnen der Augen leitet zur Übergangsphase über.


Übergangsphase. 3. Lebenswoche
Obwohl die Augen bereits geöffnet sind, ist die Sehfähigkeit erst mit dem 17. Bis 18. Lebenstag gegeben. Gleichfalls kann man ab dem 17. Lebenstag gegenseitiges Belecken der Welpen beobachten. Etwa ab dem 18. Lebenstag beginnen Mutter und Vater mit der Zufütterung: Der Welpe stößt das Elterntier mit der Schnauze im Mundwinkel an, wodurch beim Elterntier das Hervorwürgen von Nahrung ausgelöst wird. Diese Verhalten bleibt auch noch später erhalten und wird zur Begrüßung verwendet. Der Leser wird wahrscheinlich schon selbst beobachtet haben, dass Hunde beim Hochspringen zur Begrüßung ihres Besitzers versuchen, das Gesicht bzw. Den Mundwinkel mit der Schnauze anzustupsen. Diese Entwicklungsphase endet am 21. Tag mit dem ersten Versuch der Welpen, das Lager zu verlassen und der Mutter nachzufolgen. Sobald die Jungen das Lager verlassen haben, spielt der Rüde sehr grob mit ihnen, sodass der Beobachter oft um das Leben der Welpen fürchtet. Sobald die Welpen wieder das Lager aufsuchen, stellt der Welpe dieses grobe Spiel ein. Dadurch lernen die Jungen, dass außerhalb des Lagers Gefahr droht.


Prägungsphase: 4. bis 7. Lebenswoche
Die Sinnesleistungen sind voll entwickelt. Dadurch wird das Erkennen von Objekten möglich. Dies wiederum ist die Voraussetzung, dass das Einprägen von Artgenossen und Objekten erfolgen kann. In dieser Phase ist es unbedingt notwendig, dass der Welpe Kontakt mit Artgenossen, Erwachsenen und Kindern hat, damit er sie später in sein Sozialverhalten mit einbezieht. Wobei unter Kontakt nicht bloße Anwesenheit sondern Körperkontakt gemeint ist. (Hochheben, Streicheln usw.) Ist dies nicht der Fall, so ist zu erwarten, dass der Hund in seinem späteren Leben Angst oder Aggression gegenüber Artgenossen, Erwachsenen oder Kindern entwickelt. Es ist deswegen von größter Bedeutung, in der Anamnese genaue Informationen darüber zu erhalten, unter welchen Bedingungen diese Entwicklungsphase abgelaufen ist: War die Hündin mit ihren Welpen in die Familie des Züchters integriert oder wurde sie mit ihren Welpen in einem Zwinger gehalten, wobei sich der Kontakt nur auf Reinigung des Zwingers und Fütterung beschränkte ? Auch eine Prägung auf bestimmtes Futter ist wahrscheinlich. Um zu verhindern "Futterspezialisten" heranzuziehen, sollten das Muttertier und die Welpen möglichst abwechslungsreich gefüttert werden.Die Welpen saugen jetzt bereits im Stehen und berühren vor dem Saugen das Gesäuge mit der Pfote (Milchtritt). Dieses Verhalten wird beibehalten ("Pföteln") und ist den meisten Lesern vermutlich aus eigener Anschauung bekannt: Wenn ein Hund etwas will, stößt er den Besitzer mit der Pfote an. Auch das Pfote-Geben kann daraus abgeleitet werden. In diesem Lebensabschnitt zeigen die Welpen bereits eine Reihe von Ausdrucksbewegungen und -lauten: Schwanzwedeln, Schwanzklemmen, Mundwinkelstoßen, Fellsträuben, Anlegen der Ohren und Knurren. Sie lernen aggressionshemmendes Verhalten und sind sehr neugierig und lernfähig. In der Regel wachsen die Welpen beim Züchter ohne Vater auf. Ein Rüde der gleichfalls ohne Vater aufgewachsen ist, eignet sich auch nicht zur Erziehung der Welpen.


Sozialisierungsphase: 8. bis 12 Lebenswoche
In dieser Phase wird der Welpe sozusagen zu einem sozialen Mitglied der Hunde- (und Menschen-) Gesellschaft erzogen.
Der Rüde spielt wieder eine wesentliche Rolle bei der Erziehung. Er veranstaltet Meutespiele mit den Welpen:Er fordert die Jungen auf ihn zu verfolgen, spielt also gleichsam das Beutetier und lässt sich am Ende sogar fangen. Von Mal zu Mal steigert er den Schwierigkeitsgrad dieser Verfolgungsjagden. Weiteres führt er sogenannte "Tabu-Spiele" mit den Jungen aus: Er belegt z.B. einen Knochen mit einem "Tabu": d.h. kein Welpe darf in anrühren. Natürlich ist die Verlockung für die Junghunde groß, sich den Knochen zu holen. Falls ein Welpe versucht dem Rüden den Knochen wegzunehmen, packt ihn der Rüde an der Nackenfalte und beutelt ihn kräftig durch. Daraufhin legt sich der bestrafte Welpe auf den Rücken zur Aggressionsblockade. Durch dieses Spiel lernen die Welpen, die Autorität des Vaters anzuerkennen. Dieses Anerkennen drückt der Welpe durch Anstoßen mit der Schnauze, Pfotegeben und Belecken des Mundwinkels aus. In Kampfspielen lernen die Welpen, wie fest man im Spiel zubeißen darf: Beißt er zu; fest so quietscht der Gebissenen laut auf und wehrt ab. Zum oben genannten Ausdrucksverhalten kommt jetzt das Abwehrschnappen. In dieser Entwicklungsperiode sind die Welpen sehr lernfähig.
In diesem Lebensabschnitt befindet sich der Welpe in der Regel bereits beim neuen Besitzer. Dieser muss nun die Rolle des Rüden als Erzieher übernehmen und sich intensiv mit dem Welpen beschäftigen. Der Besitzer sollte bereits jetzt überlegen was dem erwachsenen Hund erlaubt sein wird. D.h. man soll dem Junghund nicht alles durchgehen lassen: Das Hochspringen zur Begrüßung mag bei einem Schäferwelpen sehr nett anzusehen sein, beim ausgewachsenem Schäferhund wird dies dann eher Unmut erregen. Was der erwachsene Hund nicht dürfen wird, soll ihm bereits in der Sozialisierungsphase nicht erlaubt sein. Wird der Hund beim Spielen zu grob, so soll er diszipliniert werden. Als Strafe werden Spielabbruch, Ignorieren und Durchschütteln in der Nackenfalte geeignet sein. Die Hunde sind auch in diesem Alter zwar sehr lernfähig, doch soll das Lernen im Spiel erfolgen. Keinesfalls sollte man versuchen, ein regelrechtes Dressurprogramm durchzuziehen: Dies könnte zu einer Überforderung und späterer Wesenschwäche des Hundes fuhren.


Rangordnungsphase (13. Bis 16. Lebenswoche)
In diesem Lebensabschnitt wird die Autorität des Rudelführers bzw. des Besitzers und seiner Familie geprüft. Dabei ist zu beachten, dass der Hund auf die richtige Stelle in der Rangordnung verwiesen wird.


Rudelordnungsphase (5. Bis 6. Lebensmonat) '
In diesem Alter findet gemeinsame Jagd, finden Jagdspiele und Ausflüge statt. Besonders bei der Einzelhundhaltung ist jetzt der Besitzer besonders gefordert: All dies sollte er mit seinem Hund tun. Dazwischen können immer wieder kurze Lernphasen eingeschaltet werden


Pubertätsphase ( 7. Lebensmonat)
Beim Rüden zeigt sich in dieser Phase zum ersten Mal das Beinheben beim Urinieren. Die Hündin sucht sich in der ersten Läufigkeit einen Rüden aus, den sie durch häufiges spielen an sich bindet. Rivalinnen werden energisch vertrieben. Die Bissigkeit der Hündin gegenüber anderen Hündinnen während der Läufigkeit und manchmal auch außerhalb derselben ist also durchaus dem Normalverhalten zuzurechnen. In diesem Lebensabschnitt ist es besonders wichtig, dass der Besitzer seinen Autorität bewahrt. Nach der Besprechung der Entwicklungsphasen 1 bis 7, die im Rahmen der Anamnese besonders sorgfältig untersucht werden sollten, insbesondere ab der Prägungsphase soll genauer auf die Anamnese eingegangen werden,

VORGESCHICHTE DER VERHALTENSSTÖRUNG (ANAMNESE)
Man sollte mit allen Familienmitgliedern und Freunden sprechen, die in unmittelbarem Kontakt zu dem Tier stehen. Wird noch ein zweiter oder dritter Hund gehalten, so sollte auch deren Verhalten diskutiert werden. Durch das Miteinbeziehen aller Personen, die mit dem eigenen Hund Kontakt haben erhält man mehr Information über das Tier. Weiteres sehen andere oft besser wie man mit dem Hund umgeht bzw. welche Fehler man begeht.

Erhebung der Vorgeschichte (Anamnese)
Bei der gemeinsamen Erarbeitung der Vorgeschichte sollten folgende Punkte angesprochen bzw. berücksichtigt werden:

1) Nationale des Tieres : Rasse, Geschlecht, Alter, Gewicht.
2) Fragen zur Gesundheit des Hundes:

Befunde über bereits stattgefundene klinische Untersuchungen und Impfbescheinigungen. Welche Erkrankungen hat der Hund oder hat er bereits durchgemacht?

3)Fragen zu den Lebensumständen des Hundes:

Aus welchen Beweggründen wurde der Hund angeschafft?
Woher stammt der Hund (Züchter, Tierhandel, Tierschutzverein)?
Wie alt war der Hund zum Zeitpunkt der Übernahme?
Ist es der erste Hund?
Wer beschäftigt sich vor allem mit dem Hund?
Wie lange wird mit dem Hund gespielt?
Wie oft und wie lange wird mit ihm ausgegangen?
Wo schläft der Hund?
Wurde der Hund ausgebildet?
Wo und bis zu welcher Ausbildungsstufe ?

4) Fragen zur Familie des Hundebesitzers:

Hat sich in der letzten Zeit eine Veränderung ergeben: Zuzug oder Wegzug von Personen. Hat eine Trennung von einem Lebensgefährten stattgefunden oder ist er eine neue Lebensgemeinschaft eingegangen worden? Hat sich der Wohnsitz in der letzten Zeit geändert?

5) Fragen zu den Verhaltensproblemen:

Welche Probleme treten auf?
Wann sind sie zum ersten Mal aufgetreten?
Welches der genannten Probleme belastet am meisten?

Die unter 3) angeführten Fragen haben den Zweck herauszufinden, welche Einstellung man zu dem Hund hat und welche "Hundeerfahrung" vorhanden ist. Wurde der Hund überlegt gekauft, oder nur weil der Nachbar auch einen Hund hat, oder war er gar nur eine Weihnachtsüberraschung im wahrsten Sinne des Wortes. Von den Beweggründen die einem zum Erwerb des Hundes geführt haben, kann man ableiten, inwieweit man selbst und die Familienmitglieder bereit sind, beim Trainingsprogramm mitzumachen. Aus dem Ausmaß der Beschäftigung mit dem Hund kann man ableiten, wie stark die Bindung der einzelnen Personen zu dem Tier ist.

METHODEN DER VERHALTENSTHERAPIE

Lerndisposition
Da Lernen eine wesentliche Rolle spielt wird hier nochmals kurz die Lerndisposition besprochen: Wir unterscheiden zwischen
1) Angeborener Lerndisposition
2) Erworbener Lerndisposition
3) Aktueller Lerndisposition

Angeborene Lerndisposition
Sie ist genetisch festgelegt und durch sie sind einer Tierart nicht überschreitbare Grenzen des Lernvermögens gesetzt. Beim Hund hängt die Lerndisposition auch von der Rasse ab: Hunderassen, die über Generationen auf das Befolgen von Befehlen selektiert wurden werden diesbezüglich sehr gutes Lernvermögen aufweisen. Dies sind z.B. die Hütehunde (u.a. Schäferhund und Border Collie). Hunde die hingegen auf Laufgeschwindigkeit selektiert wurden, werden im Vergleich zu den Hütehunden geringeres Lernvermögen aufweisen. Das bedeutet, dass man vom ursprünglichen Verwendungszweck einer Rasse auf deren Lernvermögen schließen kann. Dies hat besondere Bedeutung bei der Wahl der therapeutischen Mittel und bei der Stellung der Prognose. Wobei vorweggenommen sein soll, dass die Prognosestellung immer sehr vorsichtig erfolgen soll, um nicht beim Besitzer den Eindruck zu erwecken, dass das betreffende Verhaltensproblem innerhalb weniger Tage zu lösen sei.

Erworbene Lerndisposition
Sie wird durch die Umstände bestimmt, unter denen der Hund aufgewachsen ist: Hat sich der Züchter und anschließend der Hundehalter während der Entwicklungsphasen sehr intensiv mit dem Tier beschäftigt und ihm eine abwechslungsreiche Umgebung verschafft, so darf man ein gutes Lernvermögen erwarten. Ist der Hund hingegen wenig beachtet worden, oder gar in einem Zwinger aufgewachsen, so darf man von verhaltenstherapeutischen Methoden, die auf Lernen basieren, weniger erwarten. Dass dem tatsächlich so ist, konnte mittels Untersuchungen an Ratten gezeigt werden: Tiere die isoliert aufwuchsen zeigten eine geringere Gehirnrindendicke als solche, die in einer sehr abwechslungsreichen Umwelt aufwuchsen. Hier muss bei der Erhebung der Anamnese versucht werden, möglichst viel Information über die Bedingungen zu erfahren, unter denen der Hund aufgewachsen ist.

Aktuelle Lerndisposition
Sie könnte salopp als die Tagesverfassung bezeichnet werden: U.a. bestimmen Gesundheitszustand, Hormone und Tageszeit die aktuelle Lerndisposition: Ein krankes Tier wird selbstverständlich weniger lernfähig sein als ein gesundes. Eine läufige Hündin wird wohl kaum neue Kommandos lernen. Ein Lern- oder Trainingsprogramm, das während der normalen Ruheperiode eines Hundes stattfindet, wird nur wenig Erfolg zeitigen. Dies bedeutet, dass der Verhaltenstherapeut in seinen Empfehlungen an den Tierbesitzer diese Faktoren berücksichtigen sollte.
Es wird eine Einteilung der Lernprozesse gegeben, in die verhaltenstherapeutisch relevanten Lernformen
hervorgehoben werde.

Lernähnliche Prozesse (a) und Lernen (b)
a)
Prägung: - Objektprägung
Motorische Prägung Habituation
b)
Lernen obligatorisches
fakultatives j
latentes Lerne kienästhetische Lernen
* Lernsituationen: Klassische Konditionierung

Operante Konditionierung
Unter den lernähnlichen Prozessen hat die Prägung keine therapeutische Bedeutung, da der Patient in einem Alter vorgestellt wird, in dem die sensible Phase (vgl. Prägungsphase) bereits abgeschlossen ist. Sie hat nur insofern Bedeutung, als in ihr bereits die Ursachen für spätere Verhaltensstörungen liegen können (z.B.: Angst oder Aggressivität gegenüber bzw. vor Menschen).

Habituation, Desensibilisierung
Große Bedeutung hat hingegen die Habituation oder Gewöhnung. In der Verhaltenstherapie wird sie in Form der "Desensibilisierung eingesetzt: Man versteht darunter das Gewöhnen an einen Reiz oder mehrere Reize, die Furcht hervorrufen. Das Grundprinzip besteht darin, dass man das Tier dem furchtauslösenden Reiz zunächst mit geringer Intensität aussetzt. Von Tag zu Tag steigert man die Reizstärke, bis sie der Intensität entspricht, mit welcher der Reiz normalerweise auftritt: Hat ein Hund z.B. Furcht vor Schussgeräuschen, so kann man einige Schussgeräusche auf Tonband aufnehmen und sie dem Tier von Tag zu Tag mit etwas größerer Lautstärke vorspielen. Man muss dabei aber sehr behutsam vorgehen. In manchen Fällen kann der Hund so furchtsam sein, dass sogar geringe Reizintensitäten Furchtreaktionen hervorrufen. In diesen Fällen ist man gezwungen, beruhigende Mittel einzusetzen, damit die Desensibilisierung überhaupt erst möglich wird. Diese Beruhigungsmittel dürfen aber keinesfalls das Lernvermögen beeinträchtigen, da ansonst die Desensibilisierung nicht möglich ist, sie stellt ja eine Form des Lernens dar. Im Allgemeinen erzielt man mit dieser Methode gute Erfolge, wenn das Tier nur Furcht vor ein oder zwei Reizqualitäten hat. Bei Angst vor Gewitter ist diese Methode weniger erfolgreich, da mit einem Gewitter eine Vielfalt von Reizen auftritt, die kaum nachgeahmt werden kann: Vor einem Gewitter kommt es zu starker elektrostatischer Aufladung der Luft, es treten Luftdruckschwankungen auf, durch den Blitz bedingte Lichterscheinungen, der Donner und damit verbundene Vibrationen des Bodens, sodass das Aufnehmen von Donner auf Tonband und Abspielen bei zunehmender Lautstärke, nur wenig Aussicht auf Erfolg hat. Löst eine Vielfalt von Reizen Furcht oder Angst aus, so kann man die normale Reizintensität und -qualität zur Desensibilisierung nützen, wenn man den Hund mit angstlösenden Mitteln behandelt. Die Medikamentengabe erfolgt mehrere Wochen hindurch, sodass das Tier lernen kann, dass es vor diesen Reizen keine Furcht haben muss. Anschließend wird die Tagesdosis des Mittels langsam verringert und schließlich wird es überhaupt nicht mehr verabreicht.

Operante oder Instrumentelle Konditionierung
Die beiden Fallbeispiele sollen einerseits zeigen, dass eine exakte Erhebung der Anamnese Voraussetzung für eine erfolgreiche Verhaltenstherapie ist und andererseits, dass die Desensibilisierung ein mächtiges Instrument bei der Behandlung von Furcht und Angst ist.
Das zweite Instrument ist die Operante oder Instrumentelle Konditionierung, die dem fakultativen Lernen zuzuordnen ist. Unter fakultativem Lernen, versteht man Lernen, welches nicht unbedingt für das Überleben eines Tieres notwendig ist. Das obligatorische Lernen ist hingegen für das Überleben notwendig. Durch dieses werden angeborene Verhaltensabläufe, z.B. wie Beutefangverhalten verfeinert und optimiert. Zum fakultativen (möglichen) Lernen zählen z.B. Lernprozesse im Rahmen der Dressur bzw. Abrichtung. Bei der Operanten Konditionierung wird ein bestimmtes Verhalten mit einer Belohnung verknüpft, wenn es erwünscht ist und mit einer Bestrafung, wenn es unerwünscht ist. In der Verhaltenstherapie wird diese Lernform meist als "Gegenkonditionierung" bezeichnet und verwendet. Hat z.B. ein Hund Angst vor einer bestimmten Situation, so kann man diese Situation mit etwas positiven verknüpfen. Setzt ein Hund eine unerwünschte Handlung, so kann man sie mit einer Bestrafung verknüpfen. Ist die Reaktion gegen Gegenstände gerichtet (Zerbeißen oder Benagen von Einrichtungsgegenständen) so bestraft man anonym. Bei der anonymen Bestrafung weiß das Tier nicht woher der Strafreiz kommt. Beginnt ein Hund wegzulaufen, um zu wildern, so kann man ihm eine kleinere Blechdose mit Schottersteinen oder ihm kleine Schottersteine direkt nachwerfen. Das Wesentliche dabei ist nicht das Zufügen eines Schmerzreizes sondern der Überraschungseffekt. Ist die unerwünschte Handlung hingegen gegen den Besitzer gerichtet, so wird man eine deklarierte Bestrafung anwenden, d.h. der Hund erkennt sehr wohl, von wem der Strafreiz stammt. Diese Form der Bestrafung ist z.B. bei Aggressivität gegenüber dem Besitzer angezeigt. Es sei hier nochmals erwähnt, dass weniger der Schmerz als die Überraschung von Bedeutung sind: Der Schlag mit einer zusammengerollten Zeitung ist nicht sehr schmerzhaft aber das damit verbundenen Getöse sehr erschreckend für den Hund. Eine wirksame Form der Bestrafung ist auch der abrupte Abbruch eines Spieles mit dem Hund und der Entzug von Aufmerksamkeit. Die bestrafende Wirksamkeit der Zuwendung wird oft unterschätzt: Bedenken Sie aber, dass die Nähe beim Ranghöchsten in einem Wolfsrudel enorm belohnenden Charakter hat. Man kann den belohnenden Effekt verstärken, indem man vorher die Zuwendung entzieht. Die Operante Konditionierung kann auch unerwünschte Verhaltensweisen bewirken oder verstärken: Beispiel: Ein Hund zeigt Angst vor Gewitter. Sie nehmen ihn hoch, sprechen beruhigend auf ihn ein, streicheln ihn und geben ihm Leckerbissen. Durch ihr Verhalten wird die Angstreaktion des Hundes belohnt und sie wird von mal zu mal stärker auftreten, da der Hund bei jeder dieser Angstreaktionen Zuwendung und Belohnung erfährt.

Klassische Konditionierung
Eine dritte wesentliche verhaltenstherapeutische Maßnahme ist die Klassische Konditionierung: Bei ihr wird ein ursprünglich neutraler Reiz mit einem reaktionsauslösendem verknüpft. Werden beide Reize mehrmals gemeinsam angeboten, so kann auch der neutrale Reiz die Reaktion auslösen. Man spricht dann von einem bedingten Reflex. In diesem Zusammenhang sei an die Untersuchungen Pawlows erinnert. Die klassische Konditionierung wird bei der Ausbildung von Hunden oft unbewusst verwendet. Wenn Sie einen Hund belohnen und dabei jedes mal das Wort "brav" sagen, so wird nach einiger Zeit das Wort "brav" allein belohnenden Charakter bekommen. Ebenso wird das Wort,,Pfui" oder "Aus" bestrafenden Charakter erlangen, wenn dieses Wort mehrmals mit einer tatsächlichen Bestrafung kombiniert wird. Die klassische Konditionierung kann auch unbeabsichtigt erfolgen und zu unangenehmen Effekten beim Tier führen: Ist bei einem Tierarztbesuch eine schmerzhafte Behandlung durchgeführt worden, so kann dadurch eine Angstreaktion konditioniert worden sein: Der Hund zeigt bereits beim Betreten der Ordination Angst, obwohl er noch gar nicht behandelt wird. Diese Angst kann sich in erhöhter Herz- und Atemfrequenz, Kot- und Harnabsatz äußern. Dies kann soweit gehen, dass bereits der Anblick einer Person in einem weißen Mantel Angst auslöst.
Eine besondere Form der klassischen Konditionierung ist die sogenannte sensorische Vorkonditionierung: Sind mehrmals, an sich neutrale Reize gemeinsam, miteinander aufgetreten, und wird dann auf einen hin ein bedingter Reflex ausgebildet, so kann auch der andere aufgrund der sensorischen Vorkonditionierung diese Reaktion auslösen. Der Hundebesitzer trägt zum Beispiel beim Autofahren immer eine bestimmte Bekleidung. Tierarztbesuche erledigt der Hundehalter gleichfalls mit dem Auto. Aufgrund einer sensorischen Vorkonditionierung zeigt der Hund Angst, sobald der Hundebesitzer diese Kleidung anzieht und wird eventuell auch Angst vor dem Autofahren haben.

VERHALTENSSTÖRUNGEN
Einteilung der Verhaltensstörungen
Verhaltensabweichung: In der Folge wird darunter eine milde, geringgradige Verhaltensstörung verstanden
Verhaltensstörungen:
A) Symptomatische Verhaltensstörungen
Dies sind Verhaltensstörungen, die Symptom einer anderen Erkrankung sind. Das sogenannte Schlittenfahren des Hundes ist keine Verhaltensstörung per se sondern u.a. Symptom eines Wurmbefalles oder einer Analbeuteldrüsenentzündung. Das Schiefhalten des Kopfes kann Symptom einer Entzündung des Mittelohres sein, Stubenunreinheit kann Folge einer Blasenentzündung sein, besondere Geräuschempfindlichkeit kann Folge einer Entzündung des Mittelohres sein usw. Hier sei nochmals betont, dass der Verhaltenstherapie eine gründliche Untersuchung durch einen Tierarzt vorangehen soll.

B) Organpathologische Verhaltensstörungen
Sie sind durch krankhafte Prozesse im Zentralnervensystem bedingt sein: So kann ein Tumor oder ein
entzündlicher Prozess der das limbische System betrifft Ursache von Aggressivität ohne erkennbare äußere
Ursache sein (das limbische System ist eine Struktur des Gehirnes, die u.a. mit der affektiven Tönung des
Verhaltens, also mit Emotionen und Aggressivität zu tun hat). Ein schmerzhafter Prozess im Bereich der
Wirbelsäule, z.B. eine Nervenwurzelentzündung kann Ursache dafür sein, dass der Hund den Besitzer beißt,
wenn er diese Stelle beim streicheln oder Bürsten berührt. Eine nicht erkannte und übergangene Staupe
(zentralnervale Form) kann, wie aus eigener Anschauung bekannt, zu Ängstlichkeit führen. Bei Verdacht auf
organpathologische Veränderungen sollte eine eingehende neurologische Untersuchung durch einen
entsprechenden Fachtierarzt erfolgen.

C) Nicht organpathologisch bedingte Verhaltensstörungen

1.) Endogen (durch innere Ursachen) bedingte Verhaltensstörungen

a)endogen bedingte Psychosen: Sie werden vereinfacht ausgedrückt durch Entgleisungen des Gehirnstoffwechsels verursacht. Beispiele aus der Humanpsychiatrie sind die endogenen Depressionen und die Schizophrenie. Dabei versteht man unter "Depression" aber nicht einfach Traurigsein, sondern auch die eingeschränkte Teilnahme an der Umwelt. Ob Schizophrenie beim Hund vorkommt ist unklar, wird aber von manchen Autoren vermutet. Sie könnte periodisch auftretende Verhaltensveränderungen erklären.
b): Neurasthenie: Darunter versteht man eine "Nervenschwäche". Beim Hund spricht man richtiger von Wesensschwäche: Die Tiere sind psychisch wenig belastbar, sind ängstlich und reagieren oft übertrieben in Situationen die einen anderen Hund kaum zu einer Reaktion veranlassen.

2.) Exogen (durch äußere Ursachen) bedingte Verhaltensstörungen

a) Nicht psychisch bedingt: Als Außenfaktoren kommen Gifte und Klima in Frage. Durch extreme
Hitzeeinwirkung kann es u.a. zu Bewusstlosigkeit kommen. Durch verschiedene Pflanzen- und
Saatgutschutzmittel können Krämpfe und Erbrechen auftreten.
b) Psychoreaktive Verhaltensstörungen
Zu ihnen gehören Störungen ("früherworbene"), die durch falsche Umweltbedingungen während der Prägungs und Sozialisierungsphase bestanden haben. Die daraus resultierende Problematik wurde bereits oben besprochen. Störungen die auf momentane Reizsituationen zurückgeführt werden können bezeichnet man als aktualreaktiv. Dazu gehören z.B. Ersatzhandlungen und Leerlaufhandlungen: Hatte ein Rüde z.B. längere Zeit nicht Gelegenheit zum Sexualverkehr, so kann aktualreaktiv Masturbation oder das Aufreiten auf ungeeigneten Objekten auftreten. Residualreaktiv bezeichnet man eine Störung dann, wenn sie weiterbesteht, obwohl die die Verhaltensstörung auslösende Situation nicht mehr besteht. Das bekannteste Beispiel sind Bewegungsstereotypien: Hunde, die lange Zeit in Zwingern gehalten werden, entwickeln oft typische Bewegungsmuster, z.B. das Entlanglaufen entlang einer Käfiggitterwand, oder das Laufen von Achterschleifen. Verbringt man ein solches Tier in einen weitaus größeren Zwinger, so wird manchmal dieses Bewegungsmuster beibehalten, obwohl das Raumangebot durchaus andere Laufmuster zuließe. Es liegt also eine residualreaktive Bewegungsstörung, nämlich eine Stereotypie vor.
c). Technoapathien: Darunter versteht man Verhaltensstörungen, die durch die technischen Einrichtungen der Tierhaltungssysteme verursacht werden, Beim Haushund sind sie wohl von untergeordneter Bedeutung.


Aggressivität
Bei der Aggressivität werden verschiedene Formen unterschieden, die kurz aufgezählt werden:
o Rivalisierende Aggressivität
o Aggressivität unter Rüden
o Angstbedingte Aggressivität
o Schmerzbedingte Aggressivität
o Territoriale Aggressivität
o Beutefangverhaltenbedingte Aggressivität
o Antrainierte Aggressivität
o Krankheitsbedingte Aggressivität
Aggressionsauslösende Faktoren
o Prägung, Sozialisierung: Hatten die Welpen in der 4. bis 12. Lebenswoche wenig Kontakt mit Erwachsenen
und Kindern, so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die so aufgewachsenen Welpen aggressiv gegenüber
Artgenossen und Menschen sind
o Genetische Faktoren: Aus dem ursprünglichen Verwendungszweck der einzelnen Rassen, kann abgeschätzt
werden, ob die betreffende Rasse eine geringe Aggressionsschwelle hat. Terrier sind Erdhunde. Sie werden
in den Fuchs- oder Dachsbau geschickt, um den Fuchs herauszutreiben. Dafür bedarf es eines sehr
kampffreudigen und mutigen Hundes. So darf es nicht wundem, dass die Aggressivität bei diesen Rassen
ausgeprägt ist und dass sie einer intensiven Erziehung bedürfen.
o Geschlecht: Rüden sind allgemein aggressiver als Hündinnen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die
Aggressivität beim Rüden auf jeden Fall durch Kastration behebbar ist
o Erkrankungen des Gehirnes, z.B. Tumore, herzförmige Prozesse im Gehirn, die nicht zu epileptiformen
Krämpfen sondern zu anfallsweiser Aggressivität fuhren. Schmerzhafte Erkrankungen (vgl. oben) können die
Aggressionsschwelle senken. Schlechte Sehkraft kann bewirken, dass der Besitzer oder ein Familienmitglied
in der Entfernung nicht erkannt und verbellt wird.


Anamnese
Gerade bei der Aggression des Hundes gegenüber Artgenossen und/oder Menschen, soll man unbedingt versuchen herauszufinden, welche Einstellung man zur Aggressivität seines Hundes hat: Imponiert es insgeheim, dass der Hund keine Angst veränderten Hunden und auch nicht vor Menschen hat. Dies führt einerseits dazu, dass man oft nur sehr halbherzig die Aggression untersagt, insbesondere, wenn sie sich gegen andere Hunde richtet. Andererseits sind Hunde Kenner der Körpersprache des Menschen und merken sehr rasch, wenn sozusagen die Körpersprache nicht zum Kommando passt. Es wird dem Leser nicht entgangen sein, dass man bei manchen Menschen schon, ohne den Hund gesehen zu haben, abschätzen kann, welche Hunderasse der betreffende hat. Auch sollte abgeklärt werden, ob es sich um eine antrainierte Aggressivität handelt.

Aggressivität gegenüber dem Menschen Rangordnungsbezogene Aggressivität:
Der Hund betrachtet den Besitzer und dessen Familie als Rudel. Gemäß seinem natürlichen Verhalten versucht
er die höchste Stelle in der Rangordnung einzunehmen. Besonders kritisch ist die Situation, wenn der Hund in
der Sozialisierungs- und Rangordnungsphase "Narrenfreiheit" hatte. Oft tritt diese Form der Aggressivität bei
Hunden auf denen die Hundehalter weder physisch noch psychisch gewachsen sind. In dem letztgenannten Fall
wird sich kaum ein aussichtsreiches Trainingsprogramm gestalten lassen.
Bei der Erhebung der Anamnese muss man versuchen herauszubekommen, welche Stellung der Hund innerhalb
der Familie bezüglich der Rangordnung einnimmt.
Gegenüber wem ist er aggressiv?
Wie äußert sich die Aggressivität,
Seit wann (Geschlechtsreife?) tritt sie auf?
Hat sie sich stetig oder innerhalb kurzer Zeit (Gehirntumor?)entwickelt?
Tritt sie immer auf oder anfallsweise (epilepsieähnliche Form)?
Wer gibt dem Hund Futter (nur der Rangniedere gibt sein Futter her)?
Betritt der Hund als erster fremde Räume?

Aggressivität gegenüber Kindern
Ursachen:
a) Manche Hundebesitzer vernachlässigen ihren Hund, sobald sie Eltern geworden sind. Somit verbindet der
Hund die Anwesenheit des Kindes mit dem negativen Erlebnis, nicht beachtet zu werden.
b) Eine weitere Ursache kann in einer mangelhaften Prägungs- und Sozialisierungsphase liegen: Der Hund hatte während dieser Phase keinerlei Kontakt mit Kindern.
c) Der Hund hatte negative Erlebnisse mit einem Kind: Kinder behandeln Tiere oft wie Spielzeug und gehen
ohne Absicht manchmal grob mit dem Hund um.
d) Kinder, die weglaufen, schreien und womöglich hinfallen, können das Beutefangverhalten des Hundes
auslösen. Einige Unfälle mit tödlichem Ausgang sind auf diese Weise erklärbar.
ad a)
Im Sinne einer Gegenkonditionierung muss versucht werden den Reiz "Kind" mit etwas positiven zu verknüpfen: Bei Abwesenheit des Kindes sollte man den Hund wenig beachten ihn jedoch bei Anwesenheit des Kindes vermehrt Zuwendung zuteil werden lassen.
ad b)
Die Prägung und Sozialisierung ist schwer bzw. Überhaupt nicht mehr nachholbar. Man kann nur versuchen, ähnlich wie oben mit Gegenkonditionierung zu arbeiten. Zumindest sollte jedoch erreicht werden, dass der Hund gut ausgebildet wird, sodass er auf Kommando beim Besitzer bleibt und sich nicht Kindern annähert.
ade)
In diesem Fall wird die Gegenkonditionierung erfolgreicher sein als bei mangelnder Sozialisierung.
ad d)
Diese Fälle sind zwar selten, haben aber gravierende Folgen. Eine vorbeugende Maßnahme kann nur darin bestehen, dass man den Hund konsequent auf Gehorsam abrichtet. Ausgeschlossen können solche Vorfälle nicht werden. Insbesondere wenn man einen großen Hund hat, sollte man in Bereichen, in denen sich Kinder aufhalten (Spielwiesen in Parks u. dgl.), den Hund an der Leine fuhren. Dies ist auch in den meisten Ländern durch Gesetz oder Verordnung vorgeschrieben.


Angstbedingte Aggression
Sie kann durch ein einmaliges traumatisches Erlebnis bedingt sein: Ist z.B. ein Hund einmal von einem größeren Hund einer bestimmten Rasse, angegriffen und verletzt worden, so kann er in Hinkunft Angst vor Hunden dieser Rasse zeigen und diese Angst kann, wenn der Hund in seiner Fluchtmöglichkeit behindert ist, z.B. dadurch, dass er angeleint ist, in Aggression umschlagen. Aufgrund solcher Erlebnisse kann auch Angst und Angstbeißen gegenüber bestimmten Personen oder Personengruppen auftreten.
Die Training kann darin bestehen, dem Hund zu lernen, dass er vor dieser Hunderasse oder Personengruppe keine Angst haben muss:
Man sucht z.B. einen Hund der betreffenden Rasse, der besonders gutmütig ist und nähert sich diesem mit dem ängstlichen Hund vorsichtig. Dies muss mehrerer Tage erfolgen, um eine entsprechende Desensibilisierung zu bewirken.
Ein besonderer Fall von Aggressivität ist die gegenüber in der Bewegung behinderter Personen: Personen die z.B. gehbehindert sind oder große Taschen oder Säcke tragen, lösen beim Hund Angst aus, die in Aggression übergehen kann.

Territoriale Aggressivität
Einer der Gründe für die Domestikation war sicherlich das Territorialverhalten des Hundes und die damit verbundene Eigenschaft, zu melden, wenn sich fremde Menschen oder Tiere diesem Territorium nähern, und sie zu vertreiben, wenn sie das Territorium verletzen. Alles Eigenschaften, die man von einem Wachhund erwartet. Hunde sehen sehr bald einen bestimmten Raum oder Bereich als ihr Territorium an und verteidigen dieses. Ein Hund, der häufig vom Besitzer mit dem Auto mitgenommen wird, sieht dieses bald als eines seiner Territorien an und verteidigt es gegenüber Personen, die der Besitzer zum Mitfahren einlädt. Liegt ein Hund in einem Restaurant unter dem Tisch, so kann er unter Umständen auch diesen kleinen Bereich als Territorium "besetzen" und Personen, die unabsichtlich dieses Territorium verletzen, anknurren oder gar nach ihnen beißen. Garten und Wohnung werden nahezu immer als Territorium angesehen. Ein typisches Beispiel ist die Aggressivität gegenüber Postboten: Der Postbote ist jemand, der häufig in das Territorium eindringt und es oft so schnell verlässt, dass der Hund keine Gelegenheit hat seine territoriale Aggression auszuleben. Er wartet sozusagen, bis sich endlich eine Gelegenheit ergibt, den unliebsamen Eindringling zu zeigen, wer "Herr im Haus" ist. Interessanterweise sind Postboten, die diesen Dienst nur gelegentlich ausüben häufiger betroffen als solche, die dies hauptberuflich tun. Dies dürfte damit zusammenhängen, dass sich Aushilfspostboten unsicherer benehmen. Hunde als scharfe Beobachter erkennen die Unsicherheit und sehen ein "Objekt", das ohne großen Aufwand vertrieben werden kann, und dass auch wenig Gegenwehr bei einem Angriff zu erwarten ist. Somit kann die territoriale Aggressivität nicht unbedingt als Verhaltensstörung sondern auch als unerwünschtes Normalverhalten gesehen werden. Da diese territoriale Aggressivität eine Reihe von Problemen für den Besitzer mit sich bringen kann, ist sie auch oft Gegenstand einer Behandlung. Maßnahmen
Da das territoriale Verhalten bei dominanten Tieren besonders stark ausgeprägt ist, empfiehlt es sich zunächst, durch Ausbildung und Unterordnungsübungen die Rangordnung sicherzustellen. Von manchen Autoren wird empfohlen, den Hund zu bestrafen, sobald er territoriale Aggressivität zeigt. Ferner wird empfohlen, dem Hund vollkommen die Aufmerksamkeit zu entziehen, sodass Fremde die einzige Kontaktmöglichkeit darstellen. Diese Vorgangsweise wird nur selten zum Erfolg führen, da die wenigsten Hundebesitzer fähig sind, ihren Hund ein oder zwei Wochen überhaupt nicht zu beachten. Folgender Stufenplan ist zielführend:
a) Sicherung der Dominanz des Besitzers durch Abrichtung und Unterordnungsübungen.
b) Desensibilisierung des Hundes: Man sucht mit dem Hund einen Teil des Territoriums auf, den er weniger stark verteidigt. Dort wird dem Hund "sitz" befohlen und man ersucht einen befreundeten Helfer, sich dem Hund zu nähern. Solange sich der Hund ruhig verhält wird er belohnt (verbal und durch Streicheln). Sobald er unruhig wird, wird das Kommando erneuert. Dies wiederholt sich so lange, bis er das Kommando nicht mehr befolgt. Ist dies der Fall, entfernt der Besitzer den angeleinten Hund und bestraft ihn durch Nicht - Beachten. Bei dieser Vorgangsweise sollte sich der Helfer Tag für Tag dem Hund mehr nähern können.
c) Ist eine weitgehende Annäherung des Fremden ohne Zeichen von Aggression möglich, so kann man zu einer Gegenkonditionierung übergehen: Man vereinbart mit dem Helfer einen Besuchstermin. Etwa einen Halbe Stunde vor dem vereinbarten Termin, entzieht man dem Hund die Aufmerksamkeit. Sobald der Besucher anwesend ist, wird dem Hund wieder vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt. Später soll die erste Beachtung des Hundes nicht durch den Besitzer sondern durch den Besucher erfolgen. Dadurch wird erreicht, dass der anfangs negative Reiz ,3esucher" mit positiven Eindrücken verknüpft wird.

Schmerzbedingte Aggression
Der erste Schritt wird in einer eingehenden klinisch-neurologischen Untersuchung durch einen Tierarzt bestehen müssen, dem als weiterer Schritt eine entsprechende Therapie folgen muss. Oft ist aber auch nach Behebung der schmerzauslösenden Prozesse noch die aggressive Verhaltensweise bei Berühren der vormals schmerzhaften Stelle vorhanden. In diesem Fall wird eine Verhaltenstherapie angezeigt sein. Das Mittel der Wahl ist die Desensibilisierung. Der Besitzer soll den Hund zunächst durch gutes Zusprechen beruhigen, das Angreifen nur andeuten und loben, solange der Hund nicht reagiert. Das Andeuten soll nun in tatsächliches Berühren übergehen. Dies kann auch mit einer Gegenkonditionierung verknüpft werden, indem man den Hund belohnt, während man ihn berührt. Ist die Angst vor der Berührung auf eine Körperstelle lokalisiert, so kann man den Hund zunächst entfernt davon berühren und sich von Tag zu Tag näher an die ehemals schmerzempfindliche Stelle herantasten. Vor allem bei älteren Tieren und wenn der schmerzhafte Prozess lange Zeit bestanden hat, ist sehr viel Geduld seitens des Tierbesitzers erforderlich. Bei sehr verängstigten Tieren (z.B. infolge langwieriger, schmerzhafter Therapie) ist eventuell zu Beginn Der Desensibilisierung eine psychopharmakologische Angstlösung angezeigt. Die Medikation soll selbstverständlich nach erfolgreicher Desensibilisierung (und Gegenkonditionierung) wieder abgesetzt werden.

Aggressivität ohne erkennbare Ursache
In diesen Fällen ist eine Verhaltenstherapie erst dann angezeigt, wenn klinisch-neurologische Ursachen ausgeschlossen sind. Hat die Untersuchung keinerlei Hinweise auf organische Erkrankungen ergeben, so ist nochmals eingehend die Anamnese zu erheben. Man muss jetzt daran denken, dass man bei der ersten Besprechung vielleicht etwas vergessen hat oder, dass ein Vorfall stattgefunden hat, der einem verschwiegen wurde. Vielleicht ist der Hund bei Bekannten, Freunden oder in einer Tierpension gewesen und wurde dort misshandelt. Eventuell hat ein Familienmitglied oder Partner, welcher(es) den Hund nicht mag (Eifersucht?) den Hund geschlagen. Der Hund sollte jedenfalls nochmals auf alte Narben im Kopf- und Rückenbereich sorgfältig untersucht werden. Ob der Hund geschlagen wurde, kann man mit einem einfachen Test prüfen. Man nimmt einen Stock, Leine oder Hundepeitsche, holt mit der Hand zum Schlag aus und beobachtet, wie der Hund reagiert: Zeigt er Furchtreaktion oder springt gar nach der erhobenen Hand (Vorsicht!!), so kann man mit. ziemlicher Sicherheit annehmen, dass der Hund geschlagen worden war. Da unter Umständen der Partner oder ein Familienmitglied den Hund geschlagen hatte, muss man beim weiteren Gespräch mit großem Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl vorgehen. In manchen Fällen wird es vernünftig sein, diesen Verdacht für sich zu behalten und im Sinne einer Gegenkonditionierung und Desensibilisierung vorzugehen.


Aggressivität gegenüber Hunden

a) Hunde im gleichen Haushalt
Werden zwei oder mehrere Hunde gehalten so spielt sich unter diesen normalerweise eine Rangordnung ein. In der Natur des Menschen liegt es den Rangniederen zu bevorzugen. Dies entspricht aber nicht den normalen Verhältnissen in einem Rudel: Nach dem Alpha-Rüden hat der Beta-Rüde die meisten Vorzüge und so fort. Bei der Haltung von Hunden muss diese Rangordnung berücksichtigt werden. Ein grober Fehler ist es, den Rangniederen zu bevorzugen oder gar den Ranghöheren zu bestrafen, wenn er den Rangniederen z.B. von einem besonderen Leckerbissen wegtreibt. Auch keine Lösung ist es, die Hunde getrennt zu halten. Bei einem späteren Zusammenführen der Hunde oder zufälligem Zusammentreffen ist wieder das alte Problem vorhanden, vielleicht in noch krasserer Form. Schon mehrmals wurde erwähnt, dass die Nähe beim Rudelführer, also beim Menschen, starken belohnenden Charakter hat. Auch im Wolfsrudel wird ein Rangniederes Tier vom zweiten in der Rangordnung vom Alpha-Tier weggetrieben, wenn es sich dazwischen drängen will. D.h. der Hundehalter sollte, wenn er einen von seinen Hunden zu Hause lassen muss nie den Alpha-Hund zurücklassen. Die Aggressivität ist auch oft höher, wenn der Besitzer anwesend ist. Unterdrückt er den Alpha-Hund, so muss man damit rechnen, dass es bei Abwesenheit des Hundehalters zum Kampf kommt. Die Rangordnung muss auch bei der Zuwendung und Fütterung Berücksichtigung finden. Manche Hundebesitzer fragen oft "Ist der Hund nicht unglücklich, wenn er der Letzte in der Rangordnung ist?". Diese Frage kann verneint werden: Belastender und mit mehr Stress verbunden ist eine unklare Rangordnung. Ist die Rangordnung unklar und wünscht der Besitzer, dass Hund A über Hund B dominieren soll, so muss er die Rangordnung unterstützen, indem er besonders betont A als Alpha und B als Beta-Hund behandelt. In schweren Fällen kann man versuchen, beide Hunde für ca. Eine Woche pharmakologisch ruhig zu stellen. Auch die Kastration des für die Rolle des Rangniederen vorgesehenen Hundes kann zum Erfolg fuhren. Bevor man die Kastration durchführt, sollte man ihre Erfolgschancen durch eine hormonelle Kastration abklären. Kommt ein Hund neu in einen Haushalt, in dem bereits ein anderer gehalten wird, so ist zunächst der alteingesessene in der Rangordnung höher. Hat man bereits einen Hund einer kleinwüchsigen Rasse, so sollte man keineswegs einen Welpen einer großwüchsigen Rasse kaufen.

b) Unter fremden Rüden
Es gibt Rüden, die jeden anderen angreifen, egal wie groß er ist. Dies bedeutet für kleine aggressive Hunde eine laufende Gefährdung. Für den "Besitzer bedeutet es, dass er den Hund nicht oder nur selten ohne Leine laufen lassen kann und dauernd aufpassen muss, ob sich nicht ein Rüde nähert.
Maßnahmen: Hormonelle und später eventuell chirurgische Kastration, wenn die Hormontherapie einen Erfolg
mit sich brachte.
Ist der Hund nur gegen einen bestimmten anderen Rüden, oder gegen Rüden einer besonderen Rasse aggressiv,so kann man im Sinne einer Gegenkonditionierung vorgehen: Man bittet den Besitzer des "Erbfeindes" sich langsam zu nähern. Der Problemhund sitzt und wird belohnt solange er sich ruhig verhält. Ist er gegenüber allen Rüden egal welcher Art aggressiv, so muss man die Desensibilisierung mit Rüden verschiedener Rassen durchführen. Begleitend wird eine Ausbildung des Hundes, die besonderen Wert auf Unterordnung legt, sinnvoll sein.

Aggressivität aus dem Beutefangverhalten heraus
Davon können Kinder, Erwachsen (Radfahrer, Jogger) kleine Hunde und Wild betroffen sein. Typisch dafür ist, dass ohne Vorwarnung losgehetzt bzw. Gebissen wird. Es wäre ja auch nicht sinnvoll, wenn ein Hund z.B. einen Hasen vorher anknurrte oder verbellte, bevor er ihm nachjagt.
Ursachen: Im Verlauf der Domestikation werden die angeborenen Auslösemechanismen immer unspezifischer,
d.h. durch eine größere Anzahl von Reizformen auslösbar als bei der Wildform, in unserem Fall beim Wolf.
Daraus ist auch erklärbar, warum manche Hunde großen Kraftfahrzeugen hinterher jagen. Kleinkinder sind manchmal Opfer der Beuteaggression: Vor allem beim Übergang von Krabbeln zum gehen,können Hunde das Kind nur schwer einordnen. Insbesondere, wenn Kinder schreiend weglaufen, hinfallen und dann herumstrampeln, fallen sie sehr leicht in das Schema eines Beutetieres. Besonders gefährlich wird die Situation, wenn mehrere Hund gemeinsam spielen, also ein Rudel bilden und dann gemeinsam Beutefangverhalten gegenüber Kindern auslösen. Jogger und Radfahrer sind wahrscheinlich als ,Beute" attraktiv, da sie sich rasch vom Hund weg bewegen: Objekte. Die sich quer zum Hund oder sich von ihm weg bewegen lösen Beute fang verhalten aus. Beutefangverhalten ist an sich Normalverhalten. Es ist meist unerwünscht und kann abnorm gesteigert sein. Hat ein Hund einmal erfolgreich gejagt, so ist ihm das Wildem kaum abzugewöhnen.
Maßnahmen
Man wird ähnlich wie bei der Behandlung des Territorialverhaltens mit Desensibilisierung und Gegenkonditionierung vorgehen. Die Gegenkonditionierung kann hier z.B. so vorgenommen werden, dass man neben dem Hund eine mit Schottersteinen gefüllte Blechdose fallen lässt, sobald er zur Jagd ansetzt, oder ihm diese nachwirft, wobei er nicht getroffen werden muss. Gleichfalls käme auch eine lange Leine in Frage, in die man ihn hineinlaufen lässt. Der momentane starke und überraschende Ruck am Halsband hat bestrafenden Charakter. Damit der Besitzer die Notwendigkeit eines energischen Eingreifens einsieht, sollte man ihn drastisch auf die zivil- und strafrechtlichen Folgen aufmerksam machen, die aus diesem Verhalten seines Hundes erwachsen können: Verletzung von Personen, Auslösung von Unfällen (Sturz eines Radfahrers, ein Autofahrer möchte einem hinter einem anderen Fahrzeug nachjagenden Hund ausweichen und verursacht einen Unfall usw.).

Gesteigerte Erregbarkeit
Allgemein gesteigerte Erregbarkeit
Man versteht darunter eine gegenüber der statistischen Norm gesteigerte emotionale Erregbarkeit.
Prinzipiell, können wir wie beim Menschen zwei Formen unterscheiden:
Beim introvertierten Tier hat sie Furcht und Angst zur Folge.
Beim extrovertierten Tier hat sie gesteigerte Aktivität zur Folge.
Ursachen
a) genetisch
b) Jugenderfahrung z.B. Überforderung des Junghundes durch zu intensives Training . Auch Proteinmangelernährung beim Welpen wird als Ursache diskutiert.
c) gesteigerte Erregbarkeit des Muttertieres
d) Beziehungsarme Umgebung
e) Spätere ungünstige Erfahrungen (z.B. Hund wurde ausgesetzt und/oder war längere Zeit in einem Tierheim)
f) Sind Sie oder Familienmitglieder leicht aus der Fassung zu bringen oder ängstlich?
g) Inkonsequente Behandlung des Hundes
Anamnese
Bei der Erhebung der Anamnese sollte man versuchen, insbesondere über die oben genannten Punkte
Informationen zu erhalten bzw. überlegen:
Ist etwas bekannt über die Wurfgeschwister und das Muttertier?
Stammt der Hund von einem Züchter, der sehr abgeschieden wohnte?
War der Hund in die Familie des Züchters integriert?
War der Hund schweren Belastungen ausgesetzt (z.B.: Erkrankungen mit langwieriger schmerzhafter Therapie) ?
Macht man selbst einen ängstlichen oder sehr erregten Eindruck?
Geht es oft laut in ihrer Familie zu und gibt es oft lautstarke Auseinandersetzungen?
Behandeln alle Familienmitglieder den Hund in der gleichen Weise?
Maßnahmen

Ruhe verschaffen
Desensibilisierung

Das wichtigste wird sein, dem Hund zunächst Ruhe zu verschaffen. Wenn in einer Familie oder zwischen Partnern oft gestritten wird, so belastet dies oft das Tier, insbesondere wenn es noch nicht erwachsen ist. Sehr oft werden Streitigkeiten über das Tier ausgetragen: Der Hund hat etwas angestellt, sie schimpft ihn aus und er bedauert den Hund und streichelt ihn. Der Hund wird in eine Konfliktsituation gebracht: Ein- und dasselbe Verhalten wird einmal belohnt und einmal bestraft. Leicht erregbare Hundehalter reagieren oft selbst auf ein und dasselbe Verhalten unterschiedlich: Einmal wird der Hund wegen seiner Zutraulichkeit und dafür, dass er auf Schritt und Tritt folgt gelobt, das andere Mal wird er vertrieben, weil der Hundehalter sich gerade geärgert hat und ihm das Nachfolgen des Hundes "auf die Nerven geht". Häufig sind Frauen gegenüber dem Hund sehr konsequent und beschäftigen sich häufig mit ihm, falls sie nicht berufstätig sind. Der Mann kommt abends nach der Arbeit nach Hause und möchte sich jetzt beim Hund beliebt manchen und vielleicht seine Partnerin sogar etwas ärgern, indem er dem Hund jetzt alles angehen lässt: Er darf sich zu ihm auf die Couch setzen, wird vom Tisch gefuttert. Es passiert also all das, was der Hund sonst nicht darf. Abgesehen davon, dass der Hund dadurch verunsichert wird, sinkt der Mann in der Rangordnung häufig unter den Hund ab. Diese Inkonsequenz kann wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den Partnern führen, was wiederum den Hund belastet. Versetzen Sie sich in die Lage eines solchen Hundes, und Sie werden verstehen, dass solch ein Tier enormen psychischen Belastungen ausgesetzt ist.
Manche Hunde haben sogar oft mehrere Bezugspersonen und Domizile: Unter der Woche sind manche Hunde bei den Eltern, am Wochenende oder abends werden sie abgeholt und wohnen bei "ihren" berufstätigen Besitzern. Die Eltern der Hundehalter verhalten sich dem Hund gegenüber wieder anders als die Hundehalter selbst.
Mit den obigen Bemerkungen wollte ich verdeutlichen, dass in der Regel alle Personen ihr Verhalten gegenüber dem Hund überdenken und neu gestalten müssen, bevor eine Besserung des Hundeverhaltens zustande kommen kann.
Wie verschafft man dem Hund Ruhe? Ihr Hund ist momentan in einer psychisch schlechten Verfassung. Sie müssen in den nächsten Wochen darauf achten, dass es möglichst ruhig in seiner Umgebung ist, und sprechen sie in der nächsten Zeit nicht allzu laut. Sie müssen ihm auch mehr Sicherheit schaffen, indem sie ihn alle in der gleichen Art und Weise behandeln. Überlegen sie gemeinsam, was sie ihrem Hund erlauben und was nicht. Überreagiert der Hund auf eine Vielfalt von Reizen, so wird eine Desensibilisierung nicht möglich sein, da Sie Reiz für Reiz desensibilisieren müssten.
Erregbarkeit durch bestimmte Geräusche
Die Geräusche auf Tonband aufnehmen. Den Hund zum Sitzen bringen, ihn beruhigend streicheln und das Geräusch bei geringer Lautstärke
vorspielen. Sobald er Erregung zeigt, das Tonband abschalten und die Aufmerksamkeit für mindestens 15-30 Minuten entziehen. Dies mehrmals (3-4 x) am Tag durchführen.

Erregung in bestimmten Situationen

Erregung bei Besuchern
Sie äußert sich in überschwänglichen Begrüßen, Verbellen des Besuchers, aufgeregtem Herumrennen oder Angst vor dem Besucher.
Ursachen: Der Hund ordnet den Besucher entweder unter Rudelmitglied oder Eindringling ein. Je nach Veranlagung zeigt er die oben beschriebenen Reaktionen. Jede von Ihnen ist sowohl für Besucher als auch für den Gastgeber unangenehm. Sowohl bei übertriebener Begrüßung durch den Hund als auch bei Angst ist Desensibilisierung das Mittel der Wahl.

Erregung beim Autofahren
Eine gesteigerte Erregbarkeit eines Hundes stellt beim Autofahren ein Unfallrisiko dar, da das Herumspringen des Hundes im Auto den Lenker beeinträchtigen kann. Oft kann man auch Bellen, Speichern, Hecheln und Kauen an der Innenausstattung des Fahrzeuges beobachten.
Ursachen
a) Bewegung des Fahrzeuges und das Motorengeräusch (Der Hund sollte bereits in der Sozialisierungsphase im Auto mitgenommen werden).
b) Frustration: Der Hund sieht interessante Dinge (Hunde und andere Tiere), die er nicht erreichen kann.
c) Aufgrund einer klassischen Konditionierung verbindet er Auto mit Sehen von etwas Neuem und schließlich
mit Spaziergang. Bei längeren Fahrten ist die Verzögerung von Spazieren gehen zu groß und aufgrund der
steigenden Erwartungshaltung steigert sich auch gleichzeitig die Erregbarkeit.
d) Unterbricht der Hundehalter die Fahrt, sobald der Hund unruhig wird und bellt, so belohnt er dieses
Verhalten und es wird immer häufiger auftreten.
Maßnahmen:
a) Desensibilisieren: Beginnt der Hund zu Bellen, sobald sein Herr einsteigt, sollte man gemeinsam mit ihm einsteigen und ihn loben solange er sich ruhig verhält. Anschließen wird der Motor angelassen und stehen geblieben. Der Hund wird wieder gelobt, solange er sich ruhig verhält. Wenn die Intervalle des Motor- laufenlassens aufgrund der Desensibilisierung ausreichend lang geworden sind, werden kurze Autofahrten unternommen und keinesfalls wird mit dem Hund spazieren gegangen, wenn der Hund zu bellen beginnt. Im Gegenteil: Fahrt unterbrechen und warten bis sich der Hund beruhigt hat. Der Hund muss auf diese Weise lernen, dass nicht jede Autofahrt mit einem Spaziergang endet, sondern manchmal auch dort wo sie begonnen hat, nämlich in der Garage.
b) Es sei hier bemerkt, dass manche Hunde nur in bestimmten Autotypen Angstreaktionen und dies wieder nur bei bestimmten Geschwindigkeiten. Man kann vermuten, dass dies mit Vibrationen zusammenhängt die in bestimmten Geschwindigkeitsbereichen auftreten. Infraschall (das ist Schall, dessen Frequenz unter dem hörbaren Bereich liegt) kann vegetative Symptome wie Erbrechen auslösen. Auch ist daran zu denken, dass eventuell eine Ultraschallbelastung zustande kommt (Ultraschall hat eine Frequenz über 20 kHz und kann vom Menschen nicht mehr, sehr wohl aber vom Hund wahrgenommen werden). Ultraschall entsteht u.a. bei Motoren mit hoher Drehzahl und bei Klimageräten.

Erregung bei Abwesenheit des Besitzers
In Edinburgh wurden vor Einführung einer tierpsychologischen Beratungsstelle 30 % der euthanasierten Hunde eingeschläfert, da sie Gegenstände in Abwesenheit des Besitzer zerstört hatten. Dies sei vorweggenommen um die Bedeutung dieses Problems zu unterstreichen.
Die Hunde heulen, bellen, zerkratzen und zerbeißen Gegenstände und richten einerseits beträchtlichen Schaden an, andererseits kann es zu Anzeigen wegen Ruhestörung kommen.
Ursachen
Aufregung über Verlust des Rudelführers. Der Hund weiß ja nicht ob sein Besitzer wieder zurückkehrt.
Zerkratzen und Zerbeißen tritt als Übersprungshandlung auf. Unter Übersprungshandlung, versteht man, dass von einem Verhaltens- oder Funktionskreis in einen anderen "übergesprungen" wird, der mit der momentanen Situation nichts zu tun hat: Vom Suchen nach dem Rudelführer wird in den Verhaltenskreis Ruheverhalten (z.B. Graben einer Schlafgrube auf einem Ledersofa) oder Beutefangverhalten (Zerteilen eines Beutetieres am Ersatzobjekt Ledertasche) "übergesprungen".
Ist Angst damit verbunden so beobachtet man häufig Kot- und Harnabsatz bei ansonst stubenreinen Hunden. Der heimkehrende "Rudelführer" wird überschwänglich begrüßt. Diese Trennungsangst muss man von der "Zerstörungswut" abgrenzen, bei der die Komponente Angst fehlt. Der Hund zerstört in diesem Fall aus Langeweile das Mobiliar. Diese Unterscheidung ist wichtig, da das Trainingsprogramm unterschiedlich zu gestalten ist. Sie tritt längere Zeit nach dem Verlassen des Hundes auf und zwar dann, wenn die normale Ruhezeit während des Tages von 3 bis 4 Stunden überschritten wird, und ist nicht mit Angst verbunden. Der Hund schläft zunächst, erwacht auf, es ist ihm langweilig und er beginnt sich zum Missvergnügen des Besitzers mit dem Mobiliar zu beschäftigen.
Maßnahmen:
Trennungsangst: Sie tritt häufig bei Hunden auf, die zunächst nahezu ununterbrochenen Kontakt zu ihrem Besitzer hatten. Wenn der Hundehalter jetzt auf einmal den Hund für mehrere Stunden verlässt (Kino-, Theaterbesuch) so kann der Hund dies nicht einordnen. Er muss also lernen, dass der "Rudelführer wieder kommt. Dies kann man ihm folgendermaßen beibringen: Man gibt den Hund zunächst in ein getrenntes Zimmer, während man in der Wohnung ist. Beginnt er zu bellen oder jaulen, so geht man kurz in das Zimmer und gibt ihm ein Kommando ("ruhig!" oder "aus!"). Keinesfalls soll man den Hund aus dem Zimmer nehmen, sobald er bellt oder an der Türe scharrt. Ansonst belohnt man dieses Verhalten und es wird sich noch verstärken. In der nächsten Stufe verlässt man die Wohnung für kurze Zeit und dehnt diese Intervalle immer weiter aus. Man muss dabei wirklich so tun als ob man das Haus verließe. Vor der Wohnungstür stehen zu bleiben ist sinnlos, da der Hund seinen Besitzer durch die Tür am Geruch erkennt. Vor dem Gehen soll der Besitzer sich nicht überschwänglich verabschieden sondern z.B. nur sagen: "Der Hund muss warten!". Auch die Begrüßung sollte neutral erfolgen, am besten ist es, den Hund zunächst nicht zu beachten. Bei der Zerstörungswut ist es angebracht, den Hund, wenn man ihn sozusagen "in flagranti" ertappt, zu bestrafen. Da Gegenstände beschädigt werden und das Verhalten nicht gegen den Besitzer gerichtet ist, ist hier, wenn möglich eine anonyme Bestrafung angezeigt. Bei der Trennungsangst ist hingegen eine Bestrafung kontraproduktiv, da der Erregungszustand dadurch noch verschlimmert werden kann.
Angstzustände ohne erkennbare Ursache und kurze Zeit dauernd
Ursachen: Kennzeichnend ist, dass diese Angstzustände unvermutet auftreten und ebenso unvermutet verschwinden. Die Ursache ist zwar im Moment nicht erkennbar aber bei genauer Anamnese findet man meist eine Ursache. Ein Fallbeispiel soll dies erläutern.
Vorgeschichte und Maßnahmen
Es wir mir eine vier Jahre alte mittelgroße Mischlingshündin vorgestellt. Die in der Wohnung des Freundes der Besitzerin manchmal Angstzustände hat: Die Hündin verkriecht sich, zittert, hechelt und zeigt vermehrten Speichelfluss. Nach langen Überlegungen über mögliche Ursachen, frage ich den Freund der Besitzerin, welche elektrischen Haushaltsgeräte in seiner Wohnung hat, da ich als Ursache ein Aggregat vermute, das sich in bestimmten Zeitabständen selbsttätig ein- und ausschaltet. Es werden mehrerer Geräte aufgezählt, unter anderem eine ältere Gefriertruhe. Diese alten Geräte laufen oft relativ leise, die Pumpensysteme versetzen aber oft den Boden, auf dem das Gerät steht, in kaum merkbare Vibration. Die beiden Hundehalter glauben das nicht so recht. Ich gehe daher mit ihnen und dem Hund zu einem großen Tiefkühlraum, öffne die Tür, sodass das Aggregat anspringt und schließe wieder die Türe. Der Hund zeigt sofort die von der Besitzerin beschriebene Angstreaktion. Sobald der Motor des Kälteaggregates wieder abschaltet verschwindet auch die Angstreaktion der Hündin. Damit war der Beweis erbracht. Der Freund der Hundebesitzerin, ersetzte die alte Gefriertruhe durch ein neues, besonders laufruhiges Gerät und das Problem des Hundes war gelöst.
Dieses Beispiel soll zeigen, dass man bei manchen unerklärbaren Angstzuständen mit ausreichender Ausdauer und Kombinationsfähigkeit meist eine Ursache findet.

Stubenunreinheit
Gerade bei dieser Form einer Verhaltensstörung sind klinische Ursachen auszuschließen. Ohne vorhergehende eingehende klinische Untersuchung ist eine Verhaltenstherapie abzulehnen: Wird z.B. eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse oder eine Erkrankung der Nieren nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, so kann dies unter Umständen den Tod des Tieres oder zumindest eine weitere Verschlechterung des Zustandes zur Folge haben. Kann ein Krankheitsgeschehen ausgeschlossen werden, so kommen u.a. folgende Ursachen in Frage:
* Bei Jungen Hunden, die nie stubenrein waren, liegt die Ursache oft darin, dass der Besitzer den Hund nie richtig beobachtet hat, und nicht erkannte, wann der Hund versäubern wollte.
* Der Hund war in einem Tierheim und hat die Stubenreinheit verlernt.
* Wie oben besprochen kann sie auch im Rahmen der Trennungsangst auftreten.
* Harnabsetzen beim Eintreffen seines "Rudelführers", kann Folge großer freudiger Erregung sein.
Werden mehrerer Hunde, vor allem Rüden gehalten, so kann das Harnmarkieren Folge von Territorialverhalten sein oder Demonstration einer hohen Stellung in der Rangordnung des markierenden. Beobachtet man ein Hunderudel, so bemerkt man, dass rangniedere Rüden bei Anwesenheit des Alpha-Hundes das Bein beim rinieren ganz wenig hochheben. Tritt das Markieren in Anwesenheit des Besitzers auf, so ist dies ein Hinweis, ass die Rangordnung nicht stimmt.
Stubenunreinheit bei alten Hunden Maßnahmen
Sie richtet sich nach den Ursachen: Sind Welpen nicht stubenrein, so bringt man sie in einer oben offenen Kiste unter: In einer Ecke befindet sich das Lager und in der diagonal gegenüberliegenden wird Papier abgelegt. Gesunde Welpen verlassen den Liegeplatz und koten und harnen auf das Papier. Später vergrößert man die Bewegungsfreiheit, sodass der Junghund lernt, den gesamten Wohnbereich als Liegeplatz bzw. "Seine Höhle" aufzufassen. Der Hund sollte des öfteren nach draußen gebracht werden und zwar in regelmäßigen Abständen, vor allem aber nach dem Aufwachen und Fressen. Die Abstände sollten mit zunehmendem Lebensalter vergrößert werden. Jedes Koten und Hamen bei den Ausgängen sollte gelobt werden. Ist die Ursache in der mangelnden Kenntnis des Besitzers zu finden, so wird man ihn entsprechend aufklären und eventuell populärwissenschaftliche Hundebücher empfehlen.
Liegt die Ursache darin, dass der Hund die Stubenreinheit verlernt hat, so sollte man seine Bewegungsfreiheit so weit einschränken, dass er sich nur im Bereich seines Lagers bewegen kann. Von Tag zu Tag kann man dann die Bewegungsfreiheit vergrößern.
Stubenunreinheit infolge der Trennungsangst erfordert selbstverständlich die Beseitigung der Ursachen der Trennungsangst (s.o.).
Harnabsetzen infolge freudiger Erregung muss zum Ziel haben, die Erregung zu vermindern. Der Hund sollte auf keinen Fall überschwänglich begrüßt werden, sondern vielmehr nicht beachtet werden. Durch oftmaliges Weggehen und Wiederkehren in kürzeren Abständen, kann sich der Hund in Sinne einer Desensibilisierung an das Wiederkommen gewöhnen und somit weniger Erregung zeigen.
Handelt es sich um Markieren, so sollte zunächst mittels hormoneller Kastration geprüft werden, ob eine chirurgische Kastration dieses Markierverhalten beheben kann.
Ist es Folge freudiger Erregung, so sollte man die Begrüßung möglichst neutral gestalten, oder den Hund sogar beim Betreten der Wohnung nicht beachten.
Steckt ein Rangordnungsproblem dahinter, so ist die Rangordnung, wie schon mehrmals besprochen, richtig zu stellen.
Werden Hunde in höherem Lebensalter stubenunrein, so ist vor allem an klinische Ursachen und daran zu denken, dass ältere Hunde oft nicht mehr in der Lage sind, Kot und Harn entsprechend lange zurückzuhalten. Der Besitzer muss dem durch entsprechende Anpassung der Zeitpunkte des letzten Spazierganges vor bzw. des ersten nach der Nachtruhe Rechnung tragen. Gerade bei älteren Hunden können langwierige Durchfallerkrankungen zum Verlust der Stubenunreinheit fuhren: Auch wenn die Erkrankung ausgeheilt ist bleibt manchmal die Stubenunreinheit bestehen. Es liegt also ein Verlernen der Stubenunreinheit vor und demnach ist, wie bereits oben beschrieben, vorzugehen.

Störungen im Futteraufnahmeverhalten
Normalverhalten
Hunde werden zwar als Fleischfresser bezeichnet, sind aber keinesfalls nur mit Fleisch zu futtern. Wenn ein Wolf oder Hund ein Tier jagt so frisst er nicht nur die Muskulatur, also das Fleisch, des Beutetieres sondern auch die Eingeweide, die beispielsweise bei einem Feldhasen ausschließlich pflanzliche Bestandteile enthalten. Eine Eigenart der Wölfe und Hunde ist es, Nahrung zu verstecken: Knochen oder kleinere Beutetiere werden vergraben. Dieses Verhalten ist angeboren und setzt meist dann ein, wenn das Tier bereits gesättigt ist. Hat man zwei oder mehrere Hunde so kommt man zu dem Eindruck, dass manchmal etwas vor den anderen Hunden versteckt wird, um es bei günstiger Gelegenheit allein verzehren zu können. Diese Verhalten kann auch in Wohnungen beobachtet werden: Manche Hunde schieben ihren Leckerbissen mit der Schnauze unter einen Teppich und fuhren davor Grabbewegungen aus.
Einem Wolfsrudel kann es durchaus passieren, dass es mehrere Tage hindurch keine Beute macht. (D.h. rein physiologisch stellt es kein Problem dar, wenn ein Hund bei ausreichendem Wasserangebot zwei drei Tage lang kein Futter bekommt.) Hat er dann wieder einmal erfolgreich gejagt, so kann er Nahrung in der Menge aufnehmen, die einem Fünftel seines Körpergewichtes entspricht. Ist das Nahrungsangebot bei Welpen ausreichend, so kommt es kaum zu Auseinandersetzungen. Ist die nicht der Fall so kann es durchaus zu Rangstreitigkeiten kommen.

Appetitlosigkeit (Anorexie)
Allzu häufig beklagen sich Hundebesitzer, dass ihr Hund zu wenig Futter aufnimmt. Man sollte sich hier aber weniger auf die Aussage des Besitzers verlassen als auf die eigene Beurteilung des Ernährungszustandes: Oft werden Hunde beim Tierarzt vorgestellt, die angeblich nichts fressen aber einen ausgezeichneten Ernährungszustand aufweisen; sie nehmen sozusagen von Tag zu Tag zu, obwohl sie überhaupt nichts fressen.
Man sollte in diesen Fällen genau überlegen, was dem Hund an Leckerbissen zur Verfügung steht (geräucherte Schweineohren, Sehnen, Markies, Schmackos, Dog sticks usw.). Ist der Ernährungszustand des Hundes tatsächlich schlecht, so ist abzuklären, ob nicht eine klinische Erkrankung vorliegt: Veränderungen der Zähne, Durchfallerkrankungen, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, Verlust oder Störung des Geruchssinnes usw. Ist der Hund klinisch gesund, so ist festzustellen, seit wann die Anorexie besteht und ob sie mit einem bestimmten Ereignis verknüpft werden kann.
Ursachen
Neben den beispielhaft erwähnten klinischen Ursachen kommen auch depressionsähnliche zustände in Betracht:
Der Hund wird weniger beachtet als sonst, ein Familienmitglied, das für den Hund Spielkamerad war ist ausgezogen oder ein zweiter im gleichen Haushalt gehaltener Hund ist verstorben. Seit der Hund nichts frisst, wird er besonders beachtet und vielleicht von der Hand gefüttert. In diesem Fall ist an Aufmerksamkeits forderndes Verhalten zu denken.
Maßnahmen
Ist der Ernährungszustand des Hundes bedenklich so wird man, um eine möglichst rasche Besserung des Zustandes zu erreichen, Medikamente einsetzen. Es kommen hier vor allem Corticosteroide (Hormone der Nebennierenrinde). Ist der Ernährungszustand noch gut, so kann man mit der Medikation noch zuwarten und dem Hund nur zu bestimmten Tageszeiten Futter anbieten. Keinesfalls sollten immer gefüllte Futterschüsseln herumstehen, da dies auch die Kontrolle der Futteraufnahme erschwert. Eventuell sollte man das Futter wechseln.

Abneigung gegenüber bestimmten Futtermitteln
Ursachen:
Der Hund hat ein bestimmtes Futter aufgenommen und kurz darauf musste er erbrechen. Dieses Erbrechen kann durch das vielleicht verdorbene Futter selbst ausgelöst worden sein oder aber durch ein Medikament, das dem Hund vor der Fütterung gegeben wurde und vom Hund nicht vertragen wurde. Der Hund assoziiert also Erbrechen mit dem gegenständlichen Futter, obwohl dieses selbst nicht Erbrechen auslöst. Diese Assoziation wird umso leichter zustande kommen, desto weniger dem Tier dieses Futter vertraut ist.
Maßnahmen:
An sich nicht notwendig, da auf andere Futtermittel ausgewichen werden kann. Ist man jedoch auf das Futtermittel z.B. aus diätetischen Überlegungen angewiesen, so kann man versuchen es durch Geschmacksstoffe und in seiner Konsistenz so zu verändern, dass es vom Hund nicht mehr als das ursprüngliche Futter erkannt wird.

Kotfressen (Koprophagie)
Ob es sich dabei um Normalverhalten oder um eine Verhaltensstörung handelt, ist zunächst von geringer Bedeutung. Das wesentliche ist, dass es für den Besitzer abstoßend und widerlich ist, wenn sein Hund Kot frisst. Manche Hunde fressen den Kot von Katzen, die im gleichen Haushalt leben, oder ihren eigenen. Das Mittel der Wahl ist eine Gegenkonditionierung: Z.B. kann man den Kot mit Pfeffer vermischen oder anderen scharf schmeckenden Gewürzen. Damit wird Kotfressen mit dem unangenehmen Brennen der Mundhöhle assoziiert.

Aufnehmen von Steinen und anderen Gegenständen
Insbesondere beim Herumkauen an Gegenständen ist an schmerzhafte Prozesse im Bereich des Gebisses zu denken: Aus eigener Erfahrung weiß der Leser, dass man manchmal bei Zahnschmerz eine kurze Linderung des Schmerzes durch Beißen auf einen Gegenstand erfährt. Ferner ist an aufmerksamkeitsforderndes Verhalten zu denken.
Beim Training kann man ähnlich wie bei der des Kotfressens vorgehen: Präparieren der Gegenstände mit scharf schmeckenden Substanzen (anonyme Bestrafung).

Fettsucht (Adipositas)
Sind klinische Ursachen ausgeschlossen (z.B. Unterfunktion der Schilddrüse), so sollte man selbstkritisch die Fütterungsgewohnheiten überlegen: Wie viel Futter bekommt der Hund (inklusive diverser Leckerbissen). Vor allem bei Trockenfutter wird die Menge unterschätzt: Fleisch enthält bis zu 80 % Wasser. Demnach muss man das Gewicht des Trockenfutters mit einem Faktor von 5 multiplizieren!!
Aufmerksamkeitsforderndes Verhalten
Sehr oft handelt es sich dabei um ein durch den Besitzer antrainiertes Verhalten, im Sinne der Operanten oder instrumentellen Konditionierung. Es wurde bereits oben bei der Besprechung der Anorexie erwähnt: Dadurch dass der Hund kein Futter aufnimmt, wendet sich ihm der Besitzer vermehrt zu. Vielleicht versucht er sogar, den Hund mit der Hand zu futtern. Das Nicht-Fressen wird also durch Aufmerksamkeit und vermehrte Zuwendung belohnt. uch die Angstreaktion wird häufig unfreiwillig konditioniert: Der Hund zeigt Angst bei Gewitter. Sie wenden sich ihm zu, streicheln ihn, sprechen beruhigend auf ihn ein, legen t ihn neben sich auf die Couch oder nehmen ihn zu sich ins Bett. Von mal zu mal wird der Hund mehr Angst zeigen, da die Angstreaktion immer belohnt wird. Insbesondere Vertreter kleiner Hunderassen werden vom Besitzer hochgenommen, sobald sich ein größerer fremder Hund nähert. Ursache ist meist folgende. Kleine Rüden gebärden sich oft aufgrund mangelnder Sozialisierung aggressiv gegenüber fremden Rüden. Sobald sie bellen, nimmt ihn der Besitzer hoch. Aus seiner sicheren Position heraus kann er den fremden Hund verbellen. Der Hund lernt also folgenden Zusammenhang: Wenn ich belle, werde ich hochgehoben, kann den anderen verbellen und sehe Dinge, die ich vom Boden aus nicht sehe. In Summe nur Positives. Der Hund wird sich also immer aggressiver geben und noch intensiver bellen, da er dafür jedes Mal belohnt wird.
Manche Hunde simulieren Verletzungen: Hat ein Hund an einer Pfote eine Verletzung, deretwegen er einen Verband oder Gips tragen musste, so zeigt er manchmal auch nach Abnahme des Verbandes bzw. Gipses einen humpelnden Gang aufgrund folgenden Lernvorganges: Während der Hund den Verband trug, zeigte der Besitzer ihm gegenüber vermehrte Aufmerksamkeit. Humpeln wurde also belohnt. Humpeln ist also für den Hund zu einer Verhaltensweise geworden, die ihm vermehrte Aufmerksamkeit verschafft. Oft verrät sich der Simulant dadurch, dass er die Seite verwechselt, also mit der "falschen" Extremität humpelt. Meinem eigenen Hund wurde in einem Kaufhaus in einer Tür die Pfote eingeklemmt. Als er laut aufquietschte, wandte ich mich ihm zu und streichelte ihn besorgt. Am nächsten Tag schimpfte ich ihn aus: Er schaute mich an und hob die Pfote, die am Vortag eingeklemmt worden war.
das Training besteht selbstverständlich in einem Vorenthalten der Belohnung, nämlich der Zuwendung. In manchen Fällen, z.B. beim oben erwähnten exzessiven Bellen kleiner Hunde, wird auch eine Gegenkonditionierung angezeigt sein, indem man das Bellen durch ein energisches "Aus" bestraft.

WEITERFÜHRENDE LITERATUR:
BRUNNER, F.: Der unverstandene Hund. Naturbuchverlag, Augsburg 1994

HART, B.L. und HART, L.A.: Verhaltenstherapie bei Hund und Katze. F. Enke Verlag, Stuttgart 1991

O'FARRELL, V.: Verhaltensstörungen beim Hund. M. & H. Scharper Verlag, Alfeld 1991

MUGFORD, R.: Hunde auf der Couch. Kynos Verlag, Mürlenbach 1991

TRUMLER, E.: Mit dem Hund auf du. Piper & Co Verlag, München/Zürich 1986

TRUMLER, E.: Hunde ernst genommen. Piper & Co Verlag, München/Zürich 1987

ZIMEN, E.: Der Hund. Goldmann Verlag, München 1992


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copyright © Zwinger "vom Hopfenhof im Goldenen Grund" 2002/2004 - Ingrid Wenz