Die Gesundheit unserer Hunde
angeborene
oder ererbte Krankheiten oder Mißbildungen
Knochenbau
- hintere Gliedmaßen
Hüftgelenke: Hüftgelenksdysplasie (HD)
Kniegelenke: Patellaluxation (PL)
| Hüftgelenkdsdyplasie
(HD) |
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Diese Erkrankung ist
leider weit verbreitet und daher allgemein bekannt, so daß ich
z.Zt. nicht näher darauf eingehe.
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| Es scheint jedoch erwiesen,
daß die Ausprägung dieser Krankheit neben den erblichen
Faktoren auch wesentlich von unnatürlichen Aufzuchtbedingungen
(Überfütterung, zu schnelles Wachstum, Überlastung
in der Wachstumsphase) begünstigt wird. |
| Die Patellaluxation
beim Junghund |
© Prof. Dr. Ernst Schimke
(Chirurgische Veterinärklinik der Universität Giessen, Kleintierchirurgie) |
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Problemstellung
Im Rahmen der Zuchtselektion ist das Problem Patellaluxation gegenwärtig
hochaktuell. Die betroffenen Rassehundverbände fordern international,
so auch in Deutschland, die einheitliche züchterische Erfassung
belasteter Zuchttiere und verlangen von den Tierärzten eine zuverlässige
Diagnostik, weil der hohe Befallsgrad bei verschiedenen Rassen zu dringendem
Handlungsbedarf zwingt. Seit längerer Zeit bemüht sich ein
Arbeitskreis des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH), ein
Selektionsverfahren für die Patellaluxation bei kleinwüchsigen
Rassen zu etablieren. Die klinische, bei Bedarf röntgenologische
Untersuchung der Tiere nach einem einheitlichen, reproduzierbaren Untersuchungsverfahren
soll von Tierärzten durchgeführt werden. In Deutschland wurde
auf Drängen des VDH eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich mit der
Patellaluxation bei Hunden kleinwüchsiger Rassen wissenschaftlich
und logistisch beschäftigt. Zentrale Forderungen sind dabei die
verläßliche, standardisierte Untersuchung der Hunde durch
dafür qualifizierte Tierärzte, sowie die einheitliche Befundung,
Dokumentation und Bescheinigung (Formular, Eintrag in die Ahnentafel),
um effektive züchterische Bekämpfungsverfahren einleiten zu
können.
Bei der einheitlichen "Untersuchung auf Patellaluxation" steht
vorerst die klinische Untersuchung der Tiere im Vordergrund. Parallel
dazu soll versucht werden, Hundebesitzer für zusätzliche röntgenologische
Untersuchungen zu gewinnen. Hierfür werden Aufnahmen in Sedation/Narkose
für erforderlich gehalten (Becken bis Tarsalgelenk v.d., gestreckt
mit und ohne Rotation der Tibia, Sky Line Aufnahmen)
Klassifikation, Vorkommen
Die Luxatio patellae (Patellardislokation) ist eine der häufigsten
Erkrankungen beim Hund. Wir unterscheiden die angeborene, kongenitale
von der traumatisch bedingten Patellaluxation. Sie kann habituell oder
stationär (permanent) auftreten und in den meisten Fällen nach
medial, seltener nach lateral disloziert sein. Toy- und Miniatur--Hunderassen
sind etwa 10 mal häufiger befallen als große Rassen. Zwergpudel,
Yorkshire-Terrier, Chihuahua, Pekingesen, Papillons und Boston-Terrier
haben ein hohes Risiko für mediale Patellaluxationen, gefolgt von
Chow Chow, Mittelpudel, Cockerspaniel, Dachshund und Spitz. Weibliche
Tiere sollen mehr als männliche Tiere befallen sein
Aetiologie und Pathogenese
Uneinigkeit besteht in der Literatur hinsichtlich der Aetiologie und
Pathogenitätsmechanismen. Als aetiologische Hauptbasis ist Polygenie
anzunehmen, die sich in Form familiärer Häufung manifestiert.
Heterogenie ist offensichtlich. Aetiologische Zusammenhänge mit
Veränderungen im Hüft- und Kniegelenkbereich werden von verschiedenen
Untersuchern gefunden. Besondere pathogenetische Bedeutung haben die
mechanisch-funktionellen Gegebenheiten im Hüft- und Kniegelenk.
Einigkeit besteht darüber, daß es zur Patellaluxation kommt,
wenn die Zugrichtung der Musculus quadriceps femoris Gruppe, die Trochlea
ossis femoris mit ihrer Gleitbahn und der Ansatz des Ligamentum patellae
an der Tuberositas tibiae nicht in einer Richtung liegen. Patellaluxationen
werden einseitig oder beiderseits gefunden und sind im geringen bis
hohen Maße ausgebildet (Einteilung nach Singleton, Grad I-IV).
Die laterale Patellaluxation kommt seltener als die mediale vor und wird
zu 50% bei großen Hunderassen gesehen. Diese Form kann genetischen
oder traumatischen Ursprungs sein und wird oft gemeinsam mit Genu valgum
(X-Bein) gesehen. Genu valgum kann während der Wachstumsperiode
bei großen Hunderassen Luxationen nach lateral verursachen.
Bei medialer Patellaluxation ist der Femurhalswinkel meist kleiner als
140° (Coxa vara), der Zug des Musculus quadriceps ist nicht achsengerecht,
sondern nach medial verlagert. Es kommt zur Rotation des Tibiakopfes
(Crista tibiae) nach medial bis zu 90° (Singleton I-IV) und Genu
varum mit Verbiegung der proximalen Tibia.
Traumatisch bedingte Patellaluxationen können nach medial oder lateral
erfolgen und sind altersunabhängig, oft sind sie mit anderen Verletzungen
(Bänderriß, Meniskusschäden, Haut-und Muskelschäden)
kombiniert.
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Vorbericht
Im Vorbericht wird von Hunden mit habitueller, intermittierender Patellaluxation
berichtet, daß die betroffene Extremität plötzlich
für mehrere Schritte nicht belastet, dann gestreckt nach hinten
gehalten wird, um danach wieder normal aufgesetzt zu werden. Bei
permanenten Luxationen sind oft uni- und bilaterale Lahmheiten vorhanden.
Bei großen Hunderassen mit schweren Wachstums- und Entwicklungsstörungen
und deutlichem Genu valgum sind oft Fütterungs und Haltungsfehler
zu eruieren.
Klinische Anzeichen
Die Mehrzahl der Hunde mit Patellaluxation ist jünger als ein Jahr.
Lahmheit tritt zuerst meist im 4.-5. Lebensmonat auf. Die klinischen
Anzeichen sind abhängig vom Grad der Luxation. Neben symptomlosen
Luxationen, sehen wir schwere Beeinträchtigungen mit Bewegungsunlust,
intermittierende oder permanente Lahmheiten einer oder beider Hinterextremitäten.
Verbiegung der Femora und/oder der Tibiae sind typische Befunde. Die
Tibiarotation nimmt mit dem Schweregrad der Luxation zu. (Singleton Grad
I-IV) Stationäre Patellaluxationen nach medial sind oft mit geduckter
Körperhaltung und Genu varum verbunden. Die Patienten können
das betroffene Bein nicht strecken. Welpen mit angeborener, beiderseitiger
Luxation nach medial hoppeln häufig schon sehr frühzeitig wie
Hasen. Kleine Hunderassen mit luxierter Patella und kaum oder nicht angelegter
Trochlea femoris bzw. medialem und / oder lateralem Rollkamm scheinen
keine Schmerzen zu haben. Bei artifiziellem Luxieren der Patella über
einen ausgebildeten Rollkamm zeigen diese Tiere aber meist deutliche
Schmerzäußerungen.
Klinische Diagnose
Die Diagnose Patellaluxation erscheint einfach, sollte aber erst nach
gründlicher klinisch-orthopädischer Untersuchung des Tieres
gestellt werden, um Zusammenhänge zu sehen und wichtige Erkrankungen
differentialdiagnostisch abzuklären, weil sonst auch der Erfolg
operativer Behandlungen in Frage gestellt würde. (Genu valgum,
Genu varum, Musculusquadriceps-Verlagerung, Meniskusschäden, Ruptur
der Ligamenta cruciata oder -collateralia, Coxa valga, Coxa vara, Legg-Calve-Perthes-Erkrankung,
arthrotische Erkrankungen, Hüftgelenksdysplasie). Die Patellaluxation
ist nicht singulär zu sehen, sondern als muskuloskelettales Syndrom.
Eine Subluxation und Luxation wird durch Palpation und Verschiebung
der Patella erkannt. Die Beweglichkeit nach proximal und distal sowie
die Luxierbarkeit nach lateral und medial ist in der gesamten Ausdehnung
festzustellen. Sehr einfach läßt sich bei erkrankten Tieren
die Patella (sub)luxieren, wenn mit einer Hand das Os femoris oberhalb
des Kniegelenkes fixiert wird, wobei Zeigefinger und Daumen die Patella
nach medial bzw. lateral drücken und die andere Hand den Metatarsus
umfaßt und bei nicht ganz gestrecktem Kniegelenk und Tarsalgelenk
die Zehen nach medial bzw. lateral rotiert werden.
Röntgenologisch können Patellaluxationen im lat.-lat. und v.-d-
Strahlengang bestätigt werden, Grad I und II erst bei gehaltenen
Aufnahmen (Stressaufnahmen). Mit "Sky Line"Aufnahmen kann die
Tiefe der Trochlea femoris ebenso wie die Ausbildung der Rollkämme
dargestellt werden. Wichtig ist diese Aufnahmetechnik zur Beurteilung
von primären und sekundären Schäden vor einer Therapie
sowie von Spätergebnissen nach operativen Korrekturen (Umbau der
angelegten Trochlea, Osteoarthrosen). Mit der Sonographie kann die Tiefe
der Trochlea gesehen und vermessen werden. Es lassen sich aber auch dynamisch-funktionelle
Veränderungen aufdecken und Knorpelschäden im Trochleabereich
diagnostizieren.
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Therapie
Alle Tiere mit nichttraumatischer Patellaluxation sind von der Zucht
auszuschließen. Erkrankten Patienten muß aber individuell
geholfen werden. Konservative Methoden haben dabei eine untergeordneten
Bedeutung. Bei Grad I, manchmal auch bei Grad II, die oft als Zufallsbefunde
erkannt werden, kann in vielen Fällen auf die Therapie verzichtet
werden, weil kaum Lahmheiten und selten arthrotische Veränderungen
oder Schmerzen auftreten. In therapiewürdigen Fällen sind
aussschließlich chirurgische Verfahren indiziert. Ziel aller
chirurgischen Maßnahmen ist, die einwirkenden Kräfte auf
die Patella so auszurichten, daß ihre gleitende Positon in der
Trochlea gewährleistet ist und ein anatomisch und funktionell
erhaltenes oder rekonstruiertes Femoro-Patellargelenk resultiert. Die
operativen Verfahren kann man in stabilisierende und rekonstruierende
einteilen, wobei Eingriffe an Weichteilen und am Skelett vorgenommen
werden.
Prinzipien der operativen Therapie
Durchtrennung der Fascia genus mit und ohne Desmotomie des Retinaculum
patellae
Faszien- und Gelenkkapselraffung
Fixation der Patella mit einem Faszienstreifen, Lig.-patellae-Anteilen
oder synthetischem Material am Vesal'schen Sesambein
Verhinderung der Tibiarotation mit einer Faszienplastik oder synthetischem
Material (Flo-Henschel-Methode) am Vesal'schen Sesambein und der Tuberositas
tibiae
Korrektur der Zugrichtung des Musculus quadriceps durch Versetzen der
distalen Ansatzstelle des Ligamentum patellae (Transposition der Tuberositas
tibiae)
Korrektur eines Genu varum oder Genu valgum bei wachsenden Tieren (Wachstumsförderung
bzw.-Verzögerung an einer Epiphysenseite, auch strikte Futterumstellung
sowie Haltungs-u. Bewegungskorrekturen)
Korrektive Osteotomie bei älteren Tieren (Geraderichten des verbogenen
Os femoris und/oder der Tibia )
Arthroplastik mit Schonung oder Entfernung des Gelenkknorpels im Trochleabereich
l. Trochlea-Keilvertiefung nach Slocum,
2. Erhaltung des Knorpels bei jungen Tieren (Chondroplasty)
3. Ausfräsen der Trochlea. (Trochleoplasty) Die Patella soll in
ihrer Höhe zu 50% die Trochlea ausfüllen und auch seitlich
(wenn nötig durch Anpassen ihrer Form) korrekt im Sulcus gleiten.
Einsetzen von Implantaten zur Erhöhung des Rollkammes bei Aplasie
oder Hypoplasie eines Rollkammes (Kunststoff, Stahlbügel)
Transposition eines proximal gestielten Kapsel- Muskel- Faszienlappens.
Die Transposition eines Kapsel-Muskel-Faszienlappens ist besonders bei
sehr jungen Hunden in Verbindung mit Korrekturmaßnahmen bei der
Fütterung und Haltung zu empfehlen. Die besten (Langzeit)Ergebnisse
werden durch die Transposition der Tuberositas tibiae und Trochlea-Keilvertiefungsplastik
nach Slocum erreicht (auch kombiniert).
Funktionelle und anatomische Rekonstruktion Kombination durch verschiedener
Operationverfahren:
Kapselraffung und/oder Patellafixation am Vesal'schen Sesambein
Transposition der Tuberositas tibiae
Trochlea-Keilvertiefungsplastik nach Slocum
Transposition der Tuberositas tibiae
Transposition eines proximal gestielten Kapsel-Muskel-Faszienlappens
Transposition der Tuberositas tibiae
Trochlea-Keilvertiefungsplastik nach Slocum
Trochlea-Keilvertiefungsplastik nach Slocum
Extrakapsuläre Rotationsfixation der Tibia nach Flo-Henschel
Operative Behebung von Kreuzband-, Meniskus-, oder Kollateral-bandschäden
bei traumatischer Patellaluxation
Genu valgum-, Genu varum -Korrektur, Diätetische Maßnahmen
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Prognose
Die Prognose bei der operativen Therapie ist abhängig vom Schweregrad
der Patellaluxation. Grad I ist in den wenigsten Fällen behandlungsbedürftig.
Bei allen höheren Graden ist die Prognose, auch abhängig von
der Dauer der Erkrankung und den anatomisch-funktionellen Veränderungen,
vorsichtig zu stellen. Rezidivgefahr ist bei allen Operationsmethoden
gegeben. Wissenschaftlich überprüfte Langzeitergebnisse an
aussagekräftigen Patientenzahlen bei unterschiedlichen Rassen mit
verschiedenen Methoden liegen in verläßlicher Form in noch
nicht ausreichendem Maße vor. Von besonderer Bedeutung sind in
der Zukunft nicht nur die individuellen Behandlungen von Einzeltieren
mit weiterentwickelten operativen Methoden, sondern systematische, selektive
züchterische Maßnahmen, die von den Zuchtverbänden organisiert
und durchgeführt, aber von uns Tierärzten durch eine wissenschaftlich
begründete, standardisierte, zuverlässige und reproduzierbare
Diagnostik unterstützt werden müssen.
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Nachstehender
Bericht samt Fotos wurde von einer betroffenen Hundebesitzerin
und Züchterin zur Verfügung gestellt:
Ich weiss nicht ob Züchter die mit vorbelasteten Hunden züchten
sich schon einmal Gedanken gemacht haben was eigentlich "züchten" heisst.
Denn Züchter werden ist nicht schwer - Züchter sein dagegen
sehr!
Es liegt in der Verantwortung des Züchters gesunde Hunde
zu züchten und nicht mit Erbkrankheiten belasteten Hunden. Anschliessend
werden Bilder von der Operation am offen Knie veröffentlicht!
Damit möchte ich zeigen, dass Erbkrankheiten nicht einfach als
Unfall mit einem Achselzucken abgetan werden sollten. Ein Bagatellunfall
ist höchstens ein Auslösefaktor, die Erbkrankheit ist aber
vorhanden.
September 2007 |
Operation Patellarluxation
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Hautschnitt |
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freilegen |
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Kerbe herauschneiden,
Scheibe entfernen |
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Kerbe wird in den Schnitt eingesetzt, in der so entstandenen Vertiefung
wird die Kniescheibe plaziert |
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Scheibe ist platziert,
fixiert und verdrahtet, dieses Implantat wird nun in dem Knie bleiben.
Alles wird nun sauber vernäht. |
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Kontrollbilder |
| Der Hund wird nun 6 Wochen
lang Leinenzwang (d.h. keine Spiele mit den anderen, kein herumtoben,
kein freilaufen und nur kurze Spaziergänge)
haben und Schmerzen - danach kommt die Physiotherapie und der langsame
Muskelaufbau. |
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www.kochbass.ch (unter Downloads)
Daniel Koch, Dr. med. vet. ECVS
Wissenschaftlicher Abteilungsleiter
Klinik für Kleintierchirurgie
Winterthurerstrasse 260
8057 Zürich
dkoch@vetclinics.unizh.ch
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